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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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359
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B. 3. Lateinische Denkmäler. § 73. Kleinere lateinische Dichtungen. 359

handelt und zwar von den drei Arten der Hervorbringung der Töne: durchSaitenspiel, Blasinstrumente und die menschliche Stimme. Mit der Verbesse-rung des Kirchengesanges, besonders seit dem Einfluß der Sequenzen Not-kers, steigerte sich die Musikfreude in Deutschland. Zeugnis dafür gibt ebendie Cambridger Handschrift mit ihrem Melodienreichtum und den häufigenAnspielungen auf Gesang und Saitenspiel.

Die enge Verbindung der Sequenzdichtung mit der Musik bringt nochstärker ein anderes Gedicht der Handschrift zum Ausdruck: De littera Py-thagorae, Jaffe Nr. XXIV, Z. f. d. A. 14, 488, wozu der folgende zweistrophigeHymnus De Musica, Jaffe Nr. XXV, und auch das Gedicht De luscinia,Jaffe Nr. XXVII, zu ziehen sind. Hier ist schon die Wortwahl rhetorisch-musikalisch {locutio figurata) durch Alliterationen und sonstige Gleichklänge(vgl. auch die Eingangsstrophe in Nr. X bei Jaffe). Und auch die Sequenzvon Lantfrid und Cobbo ist mit den vielen Alliterationen besonders imProoemium (Str. 14) und in Str. 9 durch den Klang der Sprache beson-ders ausgezeichnet.

Eine engere Gruppe zusammen bilden die beiden Schwanke Alverädund Heriger, die ebenfalls in der Cambridger Handschrift überliefert sind,Bl. 437 cd und 438 ab . Beide sind in ein und demselben Versmaß abgefaßt,in sechszeiligen Strophen von je drei Reimpaaren in adonischen Versen(z w w i w), und zwar etwa um das Jahr 1030.

6. Alveräd.

MSD. Nr. 24 u. II s , 127 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 301, Nachtr. S. 222 f.; Kelle, LG. 1,206.382; Kögel, LG. 2,261263, Grundr. 2 S. 134 f. Abdruck bei Haupt, Altdeutsche Bl. 1 (1836),392395; J. Grimm bei Grimm und Schmeller, Lateinische Gedichte des X. und XL Jhs.S. 337340; s. 'Jaffe S. 451. Übersetzung: M. Heyne, Altdeutsch-lateinische Spielmanns-gedichte S. 5458.

Alveräd ist Nonne im Kloster Höinburh. 1 ) Sie hat eine starke undtreue Eselin. Einmal entfernte diese sich aus dem Kloster, da läuft ein Wolfauf sie zu. Es kommt zum Kampf. Alveräd hört den großen Wehschrei,sie ruft die Nonnen zu Hilfe. Und sie kommen, Adela, Rikila, Agatha.Aber zu spät! Der Wolf hat die Eselin aufgefressen und trabt dem Waldezu. Da stimmen sie, die Haare zerreißend, die Brüste zerschlagend, dieTotenklage an, Adela die sanfte und die süße Fritherün übernehmen dieAufgabe der Klagetrösterinnen bei Alveräd:Laß, o Schwester, dein be-trübtes Klagen! Der Herr wird dir eine andere Eselin bescheren!"

7. Heriger.

MSD. Nr. 25 u. II 3 , 128 L; Piper, Alt. d. Lit. S. 301, Nachtr. S. 223 f.; Kelle, LG. 1,203.380f.; Kögel, LG. 2,263 f., Grundr. 2 S. 135. Abdruck bei J. G. Eccard, Veterum monumen-

*) Haupt a. a. O. nimmt das Nonnen-kloster Homburg an der Unstrut als Ort derBegebenheit an. Scherer äußert sich in denDenkmälern ausdrücklich gegen Hohenburgim Elsaß wegen der Sprache der Namen.

Aber die md. Formen Höinburh (homburh Hs.),aluerad, Agatham, Fritherün, adaleithe kön-nen auch von dem mittelfränkischen Schreiberder Cambridger Hs. herstammen; k für di wiein Rikilam begegnet oft im Alemanischen.