356 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Urkunde, und du", so hat der Schwabe gewonnen und wird durch seineList des Königs Schwiegersohn. 1 )
3. Modus Liebinc.MSD. Nr. 21 u. II 3 , 114—117; Piper, Alt. d. Lit. S. 2991, Nachtr. S. 217f. (Hs. B). 236(Hs.A); Kelle, LG. 1,204.381; Kögel, LG.2,254f., Grundr.» S. 134. Abdruck bei F. A.Ebert, Überlieferungen S. 80 f.; Lachmann, Kl. Sehr. S. 336 f. (Hs. A); Jaffe S. 472—474(Hs. B). Übersetzung: Moritz Heyne, Altdeutsch-lateinische Spielmannsgedichte des 10. Jhs.,1900, S. 59—63; Jakob Ulrich, Proben der lateinischen Novellistik des Mittelalters, 1906,S. 1—3. — Ebert, Lat. Lit. 3,346 f.; Wattenbach, Z. 19,119ff. 240.498; W. Meyer a. a. O.S.44ff.bezw.l75ff.; Paul v. Winterfeld, Stilfragen aus der lateinischen Dichtung des Mittel-alters (als Manuskript gedruckt) S. 38 ff.
Hss.: A Bl. 61 b . 62», B Bl. 435 d —436 b .
Der Titel ist gegeben nach der Melodie eines vorauszusetzenden Ge-dichtes, das von einem Manne namens Liebo handelte. Scherer 2 ) erkenntin diesem Helden den Liuppo, der Otto II. auf der Flucht nach der un-glücklichen Schlacht in Kalabrien (anno 982) rettete. Das Ereignis wird vonThietmar von Merseburg (f 1019) erzählt 3 ) und zwar stellenweise mit Worten,die darauf schließen lassen, daß er den ursprünglichen Modus Liebinc imGedächtnis hatte. Von der Existenz unseres Gedichtes im 11. Jahrhunderthaben wir sogar eine literarische Nachricht: „Sextus Amarcius (ed. Manitius1,440), der in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts dichtete, läßt einenSpielmann (iocator) vor einem vornehmen Herren unter anderem ut similiargutus uxoretn Suevulus arte luserit, also das vorliegende Gedicht singen."*)
Die schwankhafte Geschichte vom Schneekind hat eine weite Verbrei-tung. 5 ) Sie ist in unserem Gedichte an einem bestimmten Orte lokalisiert,was den Anschein der Wirklichkeit erhöht, sie soll nämlich einem Schwabenaus Konstanz begegnet sein. Er, ein Kaufmann, war zwei Jahre von zuHause und von seiner Frau auf Seereisen entfernt, als er zurückkam, fander einen Familienzuwachs, einen kleinen Knaben, vor. Die Gattin versichert,sie habe ihn dadurch bekommen, daß sie einstmals auf den Bergen, umihren Durst zu stillen, Schnee gegessen habe. Nach fünf Jahren oder mehrreist der Kaufmann wieder übers Meer. Er nimmt den Knaben mit undverkauft ihn um hundert Pfund. Zurückgekehrt ohne den Sohn erzählt erder Gattin, ihr Trost zusprechend, der lieben: deinen Sohn habe ich ver-loren, den ich so sehr liebte wie du. In den heißen Syrten hat die Sonneuns geröstet, jener aber, der vom Schnee geborene, schmolz dahin.
*) Lügendichtungen: Goedekes Grund-riß l 2 , 224 Nr. 11—13; Kobersteins Grund-riß l 6 , 430 Anm. 71; Wackernagel, LG. P,282 Anm. 52. 53 und 328 Anm. 30; Kögel,LG. 2,252 Anm.; Uhland, Schriften 3,213 bis237, bes. 223 ff. u. Anmerk. S. 319—337; W.Grimm, Anmerkungen zu den Kinder- undHausmärchen Nr. 112. 124; Müllenhoff,Sagen S. XIX u. Nr. 209; K. Müller-Frau-RHUTH, Die deutschen Lügendichtungen bis
auf Münchhausen, Halle 1881. — AndereBeispiele des verbreiteten Schwankes s. beiMSD. II 3 , 113 und Kögel, LG. 2, 252—254.
2 ) MSD. II 3 , 115 ff.
3 ) Chron. 3,12,Mon. Germ. Script. 3,765f.*) Scherer, MSD. a. a. O. nach Haupt,
Monatsberichte der Berliner Akademie 1854S. 163 f.
5 ) So Scherer a. a. O.; Kögel, LG. 2,254Anm. 1; Ebert 3, 346.