B. 3. Lateinische Denkmäler. § 73. Kleinere lateinische Dichtungen. 355
enthält 12 Verse (= 2x6); Str. 2: 8 (=2x4); Str. 3: 6 (= 2x3); Str. 4: 6(= 2x3); Str. 5: 16 (= 2x8); Str. 6: 6 (= 2x3); Str. 7: 8 (= 2x4); Schluß= v. 64. 65.
Inhalt. Die Sequenz Inclito ist ein Lobgesang auf Christus, den Er-löser der Menschheit, und enthält eine kurze evangelische Geschichte, derenerhabenen Abschluß die Herrschaft des Friedenskönigs bildet. Der Stil ist,wie auch der der Hymnen, knapp und besteht in Einzelaufzählungen derEreignisse.
Denselben Gedanken wie unser Gedicht verherrlichen noch zwei andereSequenzen der Cambridger Handschrift: Laudes Christo actae (beginnendGrates usiae, Jaffe S. 476) und Carmen Christo dictum (beginnend O pateropüme, Jaffe S. 479), aber jede wieder in anderer Darstellung. Die eineerhebt sich nach einem epischen (v. 1—68) und einem dogmatisch-didak-tischen Teil (v. 69—87) zu höchster lyrischer Begeisterung (v. 88—Schluß),während die andere wieder einfach berichtet wie die Sequenz Inclito, abernicht die ganze Lebensgeschichte Jesu, sondern nur die Kreuzigung unddie letzten Dinge.
2. Modus florum.
MSD. Nr. 20 u. II 3 , 112—114; Piper, Alt. d. Lit. S. 300, Nachtr. S. 218f. (Hs. B). 235 f.(Hs.A); Kelle, LG. 1,2041381; Kögel, LG. 2, 252—254, Grundr. 2 S. 133 f. Abdruck beiF.A.Ebert, Überlieferungen S.79; Du Meril S. 276—278; Fröhner S.5f. (Hs.A); JaffeS. 471 f. (Hs. B). — Ebert, Lat. Lit. des Mittelalters 3, 345 f.
Hss.: A Bl. 61 ab , B Bl. 436 a . Woher die Bezeichnung 'Blumenweise'stammt, ist unbekannt.
Das Gedicht besteht aus sieben Strophen (Str. 1=4 Verse, Str. 2= 4 Verse, Str. 3 = 4 Verse, Str. 4 = 8 Verse, Str. 5 = 10 Verse, Str. 6 = 2 Verse,Str.7 = 2Verse). Der Strophenbau ist frei, d.h. nicht zweiteilig. Da keineReime vorkommen, so ist das Gedicht wohl noch in den Anfang des11. Jahrhunderts zu setzen.
Der Verfasser nennt das Gedicht im Eingang ein Lügenlied, mendosamcantilenam, das er für die Knaben, puerulis, bestimmt habe, um bei denHörern riesiges Lachen zu erregen. Es wurden demnach solche Schwankenicht nur von Fahrenden, sondern auch von Dom- und Klosterschülern beiSchulfesten vorgetragen.
Es ist das älteste Lügenmärchen in Deutschland und zugleich dieälteste Münchhausiade. Ein König will seine Tochter nur dem zur Fraugeben, der es durch Lügen so weit bringt, daß er, der König selbst, ihn,den Erzähler, für einen Lügner erklärt. Einem Schwaben gelingt es. Ererzählt eine von Übertreibung strotzende Jagdgeschichte von einem Hasen,den er erlegte, aus dessen Ohren Honig und Erbsen träufelten und der imSchwänze eine Urkunde trug des Inhalts, daß der König sein Knecht sei.Da dieser auf solche Anmaßung hin in die Worte ausbricht: „sie lügt, die
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