350 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
deutschen Mittelalters 1832 S. 32; Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1, Taf. I Facs.;Müllenhoff, Z. f. d. A. 14,123—133; Piper, Z. f. d. Phil. 13, 445; Piper, Alt. d. Lit. S. 20 f.;Gallee, Altsächs. Sprachdenkmäler S. 263—265, Facsitnile-Sammlung Xll a ; Wadstein,Kleinere altsächs. Sprachdenkmäler Nr. 6 S. 29 u. 129—131; v. Grienberger, Arkiv f. nord.Filologi 14,107 ff. Facsimile ferner bei L. F. A. Wimmer, Die Runenschrift, übersetzt vonF. Holthausen, Berlin 1888, S. 236.
Hs.: Stiftsbibliothek zu St. Gallen Nr. 878, 394 S.4°, 9. Jh., enthält aufS. 315—320 einige Abschnitte aus Isidors Etymologien, und zwar B. 1Cap. 3, 18—20 über die Akzente und Buchstaben, mit den Alphabeten ver-schiedener Sprachen, den griechischen und hebräischen. Darauf folgt inder Handschrift ein angelsächsisches Runenalphabet unter der ÜberschriftAnguliscum ohne Text; darauf ein nordisches Runenalphabet mit Text unterder Überschrift Abecedarium Nord, was zu ergänzen ist in Nordmannicum.Es ist das kürzere nordische Runenalphabet mit 16 Zeichen, geschriebenin drei Reihen (5 Runen -+- 6 Runen + 5 Runen). Die Anordnung ist die,daß auf die Runenzeichen die Namen der Runen folgen und darauf einkurzer, nur aufzählender Text ohne regelrechten Satzbau, der die Aufeinander-folge der Runen andeutet. In jeder der kurzen Zeilen sind zwei Worte durchAlliteration gebunden, von denen eines immer ein Runenname ist. — Übersechs der nordischen Zeichen sind die entsprechenden angelsächsischenTypen gesetzt. Die Sprache ist altsächsisch mit angelsächsischen Spuren. 1 )Über die Herkunft des Stückes und seine Wanderung nach St. Gallen istnichts Sicheres zu ermitteln.
Die Lehre von den Buchstaben wurde von den römischen Philologenin der Grammatik behandelt und von den Mönchen übernommen. Inmehreren lateinischen Handschriften, die in Deutschland verfaßt sind, findensich Aufzeichnungen von Runenalphabeten, aber, außer dem AbecedariumNordmannicum, ohne Text. Am bekanntesten sind die zwei gotischenAlphabete in der Salzburg-Wiener Hs., vgl. Streitberg, Gotisches Elementar-buch, 3. u. 4. Aufl. S. 36.
§ 71. Basler Rezepte.
MSD. Nr. 62 u. II 3 , 356 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 137; Kelle, LG. 1, 47. 307; Kögel, LG. 2,497—499, Grundr. 2 S. 156. Facsimile bei Enneccerus 17. — Gefunden und zum erstenmalgedruckt von H. Hoffmann, Vindemia basileensis (Basileae 1834); Wackernagel, Die alt-deutschen Handschriften der Basler Universitätsbibliothek S. 8 f.
Hs.: Basler Universitätsbibliothek F. III. 15 a , enthält Isidors De ordinecreaturarum (unvollständig), Ende des 8. Jhs. mit angelsächsischen Buch-staben geschrieben. Auf dem freien Raum von Bl. 17 a sind die drei Stückevon drei gleichzeitigen Händen, je eines von einer Hand, eingetragen (Endedes 8. oder Anfang des 9. Jhs.). Interpunktion ist angebracht und zwar imzweiten Rezept nach jedem Worte. Aus den dialektischen Merkmalen hatman geschlossen, daß die Handschrift aus Fulda stammt. 2 )
1 )MSD.a.a.O.;JosTES,Z.f.d.A.40,184f. | 2 ) Kögel, LG. a.a.O.