B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. §§ 70—72. Grabinschrift. 351
Es sind drei Stücke, aber nur zwei Rezepte: das erste Rezept, gegenFieber, ist lateinisch (Stück I) mit erweiterter deutscher Übertragung (Stück II);Stück III ist das zweite Rezept, gegen Krebs, und zwar in deutscherSprache.
Die deutsche Übersetzung des ersten Rezepts hat bairischen Dialektmit ostfränkischen Spuren.
Das zweite Rezept ist ursprünglich angelsächsisch (die AusterschaleZ. 2 kann nur an einem meerangrenzenden Lande zu Heilzwecken verwendetworden sein), aber ins Althochdeutsche umgeschrieben worden, wobei jedochviele ags. Idiotismen stehen geblieben sind.
Die Medizin und Arzneikunde wurde in den Klöstern eifrig gepflegt.Die vorliegenden Denkmäler sind literarisch insofern von Interesse, als ausihrer Niederschrift zu ersehen ist, daß auch kleinere, zu lediglich praktischemGebrauch dienende Notizen schon zu Karls des Großen Zeit in Absicht aufErhaltung für kommende Geschlechter in deutscher Sprache aufgezeichnetwurden. Sie sind die Erstlinge einer später außerordentlich reich gewordenenLiteratur und im 14./15. Jahrhundert war es sehr üblich, Rezepte in Hand-schriften einzutragen.
§ 72. Grabinschrift aus Rheinhessen.
Braune, LB. Nr. 1,8 und S. 172.
Drei Bruchstücke eines Steindenkmals vom Ende des 10. Jahr-hunderts, gefunden 1900 in Rheinhessen, jetzt im Museum zu Mainz.Nachricht von dem Funde gibt O. Behaghel, Lit.-Blatt 1900, 398, Be-sprechung von O. Behaghel, Korrespondenzblatt der westdeutschen Z. f.Geschichte und Kunst 20, 4—8; dazu Th. v. Grienberger, ebda 21,84f.; s. ferner Steinmeyer, Berliner Jahresbericht 1900 S. 77. 1901 S. 72.1902 S. 63.
Es ist die erste althochdeutsche (rheinfränkische) Steininschrift (10. Jh.).Erhalten ist das mittlere von fünf Feldern, worauf eine männliche Figur,über deren Kopf deren Name f Diederih (f DIE.DE.RIH) steht; von demersten Felde links ist nur noch der untere Teil einer Frauenfigur vorhanden.Unter den Figuren steht die verstümmelte Inschrift
GEHVGI DIEDERIH ES . QO(defrides?)INDE DRVLINDA . SON(es)(Gedenke Diederichs, des Sohnes Gofdefrides] und der Drulind).
Das Denkmal ist gewidmet einem Mann namens Diederih, demSohne eines Go(defrides) und einer Drülinda (Genitiv zum Nom. Drud-lind). Dementsprechend können auch die fehlenden Figuren wiederher-gestellt werden: die Frau auf dem ersten Felde links war wohl dieMutter, auf dem fünften Felde rechts wird der Vater abgebildet ge-wesen sein.