348 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Kirchliche Einsegnung durch die Geistlichen {benedlctio nuptialis odernuptiarum, deutsch auch 'Kirchgang' genannt) ist, da ursprünglich die Eheeine weltliche Rechtshandlung war, bei Schließung derselben nicht erforder-lich gewesen. Sie begegnet in mhd. Gedichten erst seit Hartmann vonAue (Armer Heinrich v. 1512 f.). Erst im 14. Jahrhundert wurde der Kirch-gang allgemein volkstümliche Sitte. 1 )
§ 69. Altsächsische Heberollen.
Heberollen oder Heberegister sind Verzeichnisse der Einkünfte, in unsernFällen von Klostergefällen.
1. Die Essener Heberolle.
MSD. Nr. 69 u. II 3 , 369—371; Piper, Alt. d. Lit. S. 136, Nachtr. S.196; Kelle, LQ.l,131f.353; KöGEL, LG. 2,572f., Grundr. 2 S. 159f. — Die Handschrift wurde gefunden von V. N. Kind-linger 1793 und die Heberolle von ihm zuerst gedruckt im (Leipziger) Allgem. litter. An-zeiger 1799 Stück 110 S. 1081—1884; Graff, Diutiska 2 (1827) S. 190 f.; T. J. Lacomblet,Archiv für die Geschichte des Niederrheins 1 (1832), 9—15; Heyne, Kleinere altniederd.Denkmäler 2 S. 64; Gallee, Altsächs. Sprachdenkmäler S. 115f., Facsimile-Sammlung III b ;Wadstein, Kleinere altsächs. Sprachdenkmäler Nr. 7 S. 21 f. u. 131 f.
Hs.: Kgl. Landesbibliothek in Düsseldorf, Cod. B 80, 153 Bl, 9./10.Jh.Gehörte früher dem Frauenstift Essen, wo die Handschrift wohl auch ge-schrieben und das Heberegister eingetragen wurde. 2 ) Den Hauptinhalt machteine Sammlung der Predigten Gregors d. Großen aus (worin die altsäch-sischen Düsseldorfer Glossen sich befinden). Auf der vorderen Seite desletzten Blattes, 153 a , ist das Bruchstück der Homilie Bedas eingetragen(s. unten), auf der Rückseite, 153 b , das Heberegister, und zwar von der-selben Hand wie die Predigten Gregors und die Homilie Bedas 3 ) (daslateinische Stück der Heberolle, in welchem bloß die Ortsnamen deutschsind [Wadstein S.21, 21—22, 15], ist von einer anderen, jüngeren Handauf Bl. 152 b geschrieben).
Die Essener Heberolle enthält die Aufzeichnungen der Abgaben, welcheeinzelne Höfe des Klosters, im ganzen neun, an dieses zu entrichten hatten.Jedoch sind in dem kleinen Verzeichnis nicht alle Gefälle aufgeführt, son-dern hauptsächlich nur Lieferungen an das Brauamt. Es ist wahrscheinlichin der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts angelegt worden.
Ein späteres, lateinisches Register der Einkünfte des Stiftes Essen ausdem H.Jahrhundert befindet sich handschriftlich daselbst, s. Gallee S.372f.,Wadstein S. 131 f.
') A. W. Dieckhoff, Die kirchl. Trauung,S. 75—107; Weinhold, Deutsche Frauen l 2 ,374 ff.; Franz Kondziella, VolkstümlicheSitten und Bräuche im mhd. Volksepos S. 104bis 128.
2 ) Den Ursprung der Handschrift verlegtJostes, Z.f.d. A. 40,140 ff. nach Hildesheim.
s ) Steinmeyer, Z. f. d. A. 40, Anz. 22,274 unterscheidet mehrere Hände, so zwar,daß der letzte Abschnitt der Predigten Gregorsund die beiden deutschen Stücke, die Hebe-rolle und die Homilie Bedas, von ein undderselben Hand herrühren.