B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 67. Eidformeln. 345
ad alienam pergat aecclesiam, sed in eadem devotus usque ad vitae per-maneat exitam, Capitula a sacerdotibus proposita 802 (Oktober?), Boretius1 S. 107 Nr. 13; Ne de uno loco ad aliam transeat episcopus sine decretoepiscoporum, velut clericus sine iussione episcopi sui, Capitula excerptade Canone 806, Boretius 1 S. 133 Nr. 10.
Ähnliche Vorschriften für den Priester wie hier werden in den FormulaebeiRozieres, Recueilgeneral des Formules2,611 ff.gemacht, z.B. qui ad utili-tatem omnium in sancta Dei ecclesia proficiat S. 631 Nr. 521, vgl. frumafmmmenti; ähnlich utilitatem vestram considerantes ebda S.633; ut servescomposita, diruta restaures S. 691 Nr. 551. Aber das 'Schaden abwenden'entspricht auch dem Sinn des sacramentum fidelitatis, zu dessen Grund-lagen gerade das Gebot der Unterlassung feindseliger Handlungen gehört 1 )(vgl. Straßburger Eide the . . . imo ce scadhen uuerdhen 231, 20).
Die deutsche Fassung ist dem heimischen Sprachgeist durch Ver-wendung der Alliteration in zweigliedrigen Formeln angepaßt: mino crephtienti mino chunsti (während in derselben Wendung der Straßburger Eidegeuuizci indi mahd verbunden sind), kahorich enti kahengig, und in deretymologischen Formel fruma fmmmenti. Andrerseits deutet auf Über-setzung aus dem Lateinischen die undeutsche Konstruktion des Partizip.Präs. mit sin hin: si fmmmenti enti uuententi.
3. Der Erfurter Judeneid.
MSD. Nr. 100. II 3 , 465—474; Piper, Nachtr. S. 194—196.
Das Denkmal, obgleich erst in die mittelhochdeutsche Zeit fallend, wirdhier, im Anschluß an MSD., eingereiht, weil die lateinische Formel schonin den Capitulis domni Karoli imperatoris et Hludowici enthalten ist (Bore-tius, Capitularia 1, 258 f.).
Die älteste Hs., A, die sorgfältig und prächtig ausgeführte Original-urkunde, befindet sich im Kgl. Staatsarchiv zu Magdeburg, Pergament mitdem Siegel der Stadt Erfurt, vom Ende des 12. Jhs. Davon sind drei Ab-schriften vorhanden: B im Statutenbuch von Nordhausen (eingetragen um1360); C in einer Oxforder Handschrift des 14. Jhs. (zwei Judeneide), D inder Kgl. Bibliothek zu Berlin, 15. Jh. (wie in C). Der Eid ist gegeben vomErzbischof Konrad von Mainz (1161—1165 und 1183—1200).
Mehrere lateinische und mittelhochdeutsche Urkunden sowie Nachweisevieler anderer gedruckter und ungedruckter mittelhochdeutschen Judeneide,dazu eine Vergleichung der entsprechenden Texte des Schwabenspiegels,des Sachsenspiegels und anderer Rechtsbücher gibt Scherer in den Denk-mälern a. a. O.
Schön läßt sich die Entwicklung des Textes verfolgen. Das lateinischeCapitulare ist eine rein geschäftliche Formulierung, im Erfurter Judeneidaber ist ein poetischer Zug der deutschen Rechtsauffassung hineingebracht:
l ) Paul Roth, Geschichte des Beneficialwesens, Erlangen 1850, S. 128.