342 n. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
ist nur durch den sehr seltenen Druck bei Brower erhalten (Exemplare des-selben in Göttingen und München).
Die Übersetzung ist als Interlinearversion abgefaßt und zwar im 10. Jahr-hundert. Der Dialekt ist mittelfränkisch (moselfränkisch); darum das Denk-mal sprachlich wertvoll ist, weil nur wenige mfrk. Stücke aus der althoch-deutschen Zeit auf uns gekommen sind. 1 )
Das Bruchstück enthält das Cap.VI der Capitula legibus addenda Lud-wigs des Frommen vom Jahr 818. 19. 2 ) Daß mehrere Capitula übersetztwaren, ist nicht wahrscheinlich. Das vorliegende ist von besonderer Wichtig-keit durch seinen Inhalt, indem es davon handelt, daß ein jeder freie Manndas Recht hat, sein Vermögen für sein Seelenheil zu schenken wie er will(Überschrift des Capitulare MSD. I» 229 Z. 1. 2 und dazu Z. 3). Der Kanongehört zu denjenigen, die wegen ihrer allgemeinen Bedeutung bestimmtwaren, von den Bischöfen und Pfarrern in den Kirchen öffentlich zu all-gemeiner Kenntnis gebracht zu werden. 3 ) Rechtsgeschichtlich ist er vongroßer'Wichtigkeit, denn er bedeutet einen Durchbruch der Volksrechte zu-gunsten der Kirche. Die Übersetzung ist nicht pünktlich und enthält sehrviele Mißverständnisse.
§ 67. Eidformeln.
1. Die Straßburger Eide.
MSD. Nr. 67 u. II 3 , 3651; Braune, LB. Nr. 17 u. S. 176; Piper, Alt. d. Lit. S. 133—135;Kelle, LG. 1,126—128. 351; KöGEL, LG. 2,557—562, Grundr. 2 S. 154; Boretius, Capitularla2,171 f.; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr.69 S.56—59.180—182. Faksimile beiKönnecke S. 14, Enneccerus 34—36, Petzet und Glauning XX, s. auch Z. f. d. Phil.3, 90 f. u. 94 f.
Die Eide mitsamt dem Berichte des ganzen Vorgangs sind enthalten imBuch III, 5 von Nithards Vier Büchern Geschichte. 4 ) Nithard, der Sohn Angil-berts und der Bertha, der Tochter Karls des Großen, also ein Enkel desgroßen Kaisers, war eifriger Anhänger Karls des Kahlen. Staatsmann undKriegsheld zugleich beschrieb er die Wirrungen des Reiches nach dem TodeLudwigs des Frommen bis zu Anfang des Jahres 843. 5 )
Am 25. Juni 841 siegten die beiden jüngeren Söhne Ludwigs des Frommen,Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle, über ihren älteren Bruder Lothar,
') J. Grimm a. a. O.; Guilelmus Wahlen-berg, De lingua francica Rheni inferioris,Bonnae 1849, S.7—18.
2 ) Boretius, Capitularia 1,282.
3 )WAiTZ,Verfassungsgesch.3 2 ,622Anm.3.
4 ) Nithardi Historiarum libri quatuor ed.Pertz, Mon. Germ, script. tom. II, daselbst dieEide S. 6651, der deutsche Text mit Anmer-kungen von J. Grimm, abgedruckt auch Kl.Sehr. 6,403 f.; Nithard ed. Holder, Freiburgu. Tübingen 1882, S.35; Nithardi historiarumlibri IV, ed. tertia post G. H. Pertz recognovitErnestus Müller, Scriptores rerum Germani-carum in usum scholarum ex MonumentisGermaniae historicis separatim editi, Hanno-
verae et Lipsiae 1907, dazu Edw. Schröder,Z. f. d. A. 49, Anz. 31,144—146. — Erhalten istvon Nithards Geschichtswerk nur eine Hand-schrift des 10./11. Jhs., in der Pariser National-bibliothek aus derVaticana,vgl.JuLius Brakel-mann (u. J. Zacher), Die Nithardhandschriftund die Eide von Straßburg, Z. f. d. Phil. 3,85—95. C. W. Wahlund, Bausteine zur roma-nischen Philologie, Festgabe für Adolfo Mus-safia, Halle 1905, S.9—24, vgl. Steinmeyer,Berliner Jahresbericht 1905 S.82f.
5 ) Wattenbach l 7 , 233—237; Ebert 2,370—374; Manitius 1, 657—660 u. RegisterS.751.