334 n. Die Literatur von der iMitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
So beginnt auch die Geschichte der Predigt in Deutschland eigentlicherst mit Karl dem Großen. Er führte eine regelmäßige sonn- und festtäglichePredigt ein, wofür die Vorschriften in den Kapitularien niedergelegt waren(die einzelnen Stellen s. oben S. 279 ff. und bei Cruel S. 38 ff.). Am meistenbenutzt wurden die Predigten Augustins und Gregors des Großen, desCaesarius von Arles— die aber zum größten Teil dem Augustin zugeschriebenwurden —, auch die des Chrysostomus und des Eligius. Die beiden ältesten,von deutschen Theologen verfaßten lateinischen Sammlungen rühren vonHrabanus Maurus und seinem Zeitgenossen Haymo von Halberstadt her.Aber Hrabanus ist auch hier, wie immer, unselbständig, denn er schreibtältere Predigten aus, besonders des Augustinus und des Caesarius; Haymohat sich hauptsächlich an Bedas Homilien gehalten (Cruel S. 56 ff.).
Die Predigten, die für Erbauung und Belehrung des deutschen Volkesbestimmt waren, wurden in deutscher Sprache gehalten, was aus den Worteneiniger Kapitulare auch deutlich hervorgeht. Die ältesten auf uns gekommenendeutschen Predigten sind S. Augustins Sermo in der Monsee-Wiener Handschrift(s. oben S. 247) und das altsächsische Bruchstück einer Homilie Bedas.
1. Bruchstück einer Homilie Bedas.
MSD. Nr. 70 („Allerheiligen") u. II 3 , 371 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 133, Nachtr. S. 194; Kelle,LG. 1,138.358; Kögel, LG. 2,564—566, Grundr. 2 S. 159. — Erster Druck von V. N. Kindlinger,(Leipziger) Allgem. litterar. Anzeiger 1799 Stück 110,1081 — 1084; ferner von Graff, Diutiska2,190L; Lacomblet (s. unten „Essener Heberolle"); Heyne, Kleinere altniederdeutsche Denk-mäler 2 S.65f.; Gallee, Altsächsische Sprachdenkmäler S. 117—119.373, Faksimile-Samm-lung 3c; Wadstein, Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler Nr. 4, S. 18.126 f.
Hs.: Kgl. Landesbibliothek zu Düsseldorf Cod. B 80, dieselbe, welchedie Essener Heberolle enthält.
Der Text ist eine Übersetzung des Eingangs von Bedas Allerheiligen-predigt (zum 1. November) De omnibus sanctis. Dieser Eingang bildet einfür sich abgeschlossenes Ganze, eine kurze Geschichte der Verwandlung desPantheon zu Rom in eine christliche Kirche, und soll die Feier des Aller-heiligenfestes historisch begründen. 1 ) Der Abschnitt wurde als Lectio in derMatutin (Mette) des Allerheiligenfestes vorgelesen. Das deutsche Stück istalso nicht ein Rest der ganzen Predigt, sondern eben nur die lateinischauch sonst einzeln überlieferte Einleitung derselben und wird wohl auchunmittelbar aus einem lateinischen Lectionar, nicht aus der vollständigenPredigt übersetzt sein. 2 )
Die Übersetzung ist frei. Eine gewisse Gewandtheit äußert sich imSatzbau durch eingeschaltete Nebensätze. Die Sprache führt auf den Anfangdes 10. Jhs. als Entstehungszeit. 3 )
Im zehnten und elften Jahrhundert hat die Geschichte der deutschenPredigt einen Höhepunkt erreicht. Es ist die Blütezeit des Episkopats. Aus
') Heinzel, Z. f. d. A. 32, Anz. 14, 269 ff. 3 ) Kögel, LG. a. a. O.; Leitzmann, Beitr.
2 ) Jostes, Z. f. d. A. 40,140 f. | 26, 265 f.