B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 62. Predigten. 333
wird anaphorisch mit Dara näh weitergefahren, gegen 6 delnde im latei-nischen Gebet; fast alle Sätze von Z. 8 an beginnen überhaupt anaphorisch.Dreimal kehrt wieder das formelhafte also ih des bidurfl Z. 4. 7. 12, vgl. dazunoch durh mlna durfti odo durh iomannes durfti Z. 10 f., pro aliorumnecessitate, iuxta necessitates saas MSD. II s , 413 Z. 25 von oben u. 414Z. 5 von unten (vgl. St. Emmeramer Gebet Z. 19). — Die Namen in Teil IIwerden im Deutschen nur einzeln aufgezählt, im Lateinischen sind sie ge-gliedert, indem sie untereinander durch et, atque als Paare verbunden sind.Der Satzbau ist pedantisch, die Formgebung besteht in Aufzählung der Teileoder in Zwei- und Mehrgliedrigkeit der Formeln; die lateinischen Sätze sindviel mannigfaltiger gebaut durch stärkere Verwendung von Nebensätzen unddurch Partizipialkonstruktionen. Der Stil des deutschen Gebets ist auf demNiveau desjenigen der Glaubens- und Beichtformeln stehen geblieben. Mitdiesen hat er die anaphorische Satzeinleitung gemein.
Einen, allerdings nur sehr unsicheren, Anhaltspunkt für die Bestimmungder Abfassungszeit des Gebets gibt die Bitte für das Kloster, „das zerstörtist durch unsere Sünde", Z. 41 ff. Diese Bemerkung deutet auf die Zeiten,in welchen St. Emmeram unter der Feindschaft des Bischofs Otto vonRegensburg zu leiden hatte (nach 1060) und zwar noch genauer auf die Zeit,da Ötloh daselbst anwesend war (Z. 44—46), wodurch die Jahre 1062—1067ausgeschlossen sind. 1 ) — Die Sprache ist, der Heimat Ötlohs entsprechend,bairisch. 2 )
§ 62. Predigten.
Vorauszuschicken ist eine Bemerkung über die Arten der Predigt. 3 ) Esgibt deren zwei: die Homilie, die wesentlich die Erklärung eines biblischenTextes (Evangelium, Briefe) gibt, und der Sermo, worin, mit oder ohnezugrunde gelegten Text, über einen bestimmten Gegenstand geredet wird,z. B. über das Leben eines Heiligen, oder über Stücke des Alten und NeuenTestaments.
Zu den geistlichen Hilfsmitteln bei der Mission gehörte auch die Predigt,denn in ihr wurde den Heiden das Evangelium verkündigt. Missionspredigtenbesitzen wir nicht mehr, die sogenannten Sermones des Bonifatius, die sichüberdies an schon getaufte Christen wenden, sind dem Apostel der Deutschenmit Unrecht zugeschrieben worden (Scherer, MSD. II 3 , 326—328), wenn sieauch in eine frühe, im heidnischen Aberglauben noch stark befangene Zeithinaufreichen.
') MSD. II 3 , 415; Edw. Schröder, Z. f. d. j bert, Die Geschichte der Predigt in Deutsch-
A. 30,82—84. i land bis Luther, 3 Teile, Gütersloh 1892—1896;
2 ) Über die Flexion vgl. F. Vogt, Beitr. 2, | W. Wackernagel, Altdeutsche Predigten und262—264. | Gebete, hrsg. von Max Rieger, Basel 1876,
3 ) R. Cruel, Geschichte der deutschen '• darin: Die altdeutsche Predigt, S. 291 ff., dazuPredigt im Mittelalter, Detmold 1879, dazu [ Steinmeyer, Z. f. d.A. 20, Anz.2, 215ff.; P.Edw. Schröder, Z. f. d.A. 25, Anz. 7,172 ff.; j Göbl, Geschichte der Katechese im Abend-Ant. Linsenmayer, Geschichte der Predigt in I lande, Kempten 1880, S. 73 ff.; A. Lecoy deDeutschland von Karl d. Gr. bis zum Ausgange j LA Marche, La chaire francaise au moyen äge,des 14. Jahrhunderts,München 1886; F.R.Al- | 2. ed., Paris 1886; Hauck 2 3 - 4 , Reg.