330 N- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts .
das Gebet ist auf der Vorderseite des letzten Blattes von einer Hand desll.Jhs. eingetragen. Der Text ist vor dem Schluß abgebrochen.
Der Dialekt ist bairisch.
Beichtgebet mit der Bitte um Erlösung von den Sünden, die in ver-gangene, gegenwärtige und zukünftige eingeteilt sind (vgl. u. a. FreisingerPaternoster, MSD. Nr. 55, 35 f.; Ötlohs Gebet [A, lat], MSD. II 3 S. 414;Wasserschieben, Bußordnungen S. 555) und um Hilfe am jüngsten Tag. 1 )
4. Ötlohs Gebet.
MSD. Nr.83 u. II 3 , 411—416; Braune, LB. Nr.26 u. S.179; Piper, Alt. d. Lit. S.458L;Kelle, LG.2,50f. 275; Steinmeyer, Ergebnisses.219; Edw. Schröder, Z.f.d.A.30,82—84;derselbe, Gott. gel. Anz. 1910, 320. — Erster Druck von Ötlohs Werken 2 ) bei Bernhard Pez,Thesaurus anecdotorum III, 2, 253—544, das Gebet im Thesaurus anecdotorum I (1721), 1,417—420, dazu Graff, Diutiska 3 (1829), 211; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr.60S.50f. 168—171; Piper, Z.f.d.Phil. 15 (1883), 84—87; Fr. Wilhelm, Münchener Texte H. 8(1914), 1—3. Faksimile bei A. Chroust, Monumenta palaeographica Lief. 3 Taf. 8; Petzetund Glauning XIII.
Hs.: Kgl. Bibliothek in München, Cod. lat. 14490, stammt aus St. Em-meram, 167 Bl. 4°, 11. Jh., enthält lateinische Schriften Ötlohs und ist vonihm selbst geschrieben. Das Gebet steht auf Bl. 161b—163b, mit Rasurenund nachträglicher Zufügung ausgelassener Stellen, ebenfalls von ÖtlohsHand, unter der Überschrift Oratio theutonica ex superiori oratione edlta.
Ötloh, 3 ) ca. 1000—1070, gehört zu den bekanntesten geistlichen Schrift-stellern des 11. Jahrhunderts in Deutschland. Seine Hauptwirksamkeit entfalteteer als Leiter der Klosterschule zu St. Emmeram 1032—1062. Im Jahr 1062betraf das Kloster harte Bedrängnis durch den Bischof Otto von Regensburg,Ötloh entfloh dem Greuel und hielt sich dann in Fulda und in Amorbachim Odenwalde auf. 1067 kehrte er nach St. Emmeram zurück. Seine Werkesind hauptsächlich Heiligenlegenden und erbauliche Schriften. Sein Lebenfällt in die Zeit der großen geistigen Umwandlung von der freieren klassi-zierenden zur streng klerikalen Richtung (s. Notker). Diese machte er selbstmit durch, in der Jugend ein Verehrer klassischer Autoren wird er derstrengste Eiferer für das neue Kirchenideal der Weltverdammung.
Von dem Gebet haben wir drei Fassungen, die alle in derselben Hand-schrift stehen: A die ursprüngliche, lateinische; B unser deutsches Gebet,auf A unmittelbar folgend, aus A gekürzt, andrerseits jedoch auch mit einigenZusätzen versehen; C, lateinisch, auf einem früheren Blatt der Hs.(51 a ), eben-falls eine Kürzung von A.
Das Gebet zerfällt, dem äußeren Eindruck nach, in drei Teile (so auchim Abdruck von MSD. und ebda II 3 , 415). Teil I, Z. 1—24, enthält in sieben
') giunstiemo 4 ist doch wohl nur ver-schrieben aus jungistemo, was einem Schrei-ber, dem gieta 3 und gimeidle 7 passierte,wohl zuzutrauen ist.
2 ) Ötlohs Werke auch bei Migne Bd. 146;
das Gebet bei Migne 146, 427—434; 89, 634.3 ) Wattenbach 2 6 ,65—69; E. Dümmler,Leben Ötlohs, Sitzungsberichte d. Berliner Aka-demie 1895,1071 ff.; Überweg-Heinze, Grund-riß der Geschichte der Philosophie 2 9 , 177.