B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosädenkmäler. § 61. Prosagebete. 329
zugesetzt, wohl aber daß ein solcher diese Wendung weggelassen hat. Mitdem sunttgan 23 B, wo A die Doppelformel suntigin enti unuuirdigin hat,ist in B noch ein Überrest der attributiven Erweiterung zu scalhe erhalten,während B in Z. 16 f. diese ganz getilgt hat. In enstigo enti milteo trohtin 19ist der attributive Zusatz deshalb wahrscheinlich alt, weil dazu die altslav.Formeln mit domine misericors MSD. II 3 , 433,19. 434,1. 435 Z. 14 von obenund deus misericors 434,20 Ähnliches haben. 1 ) Endlich ist zu bemerken,daß in dem Stil des ganzen St. Emmeramer Stückes auch sonst sichere zwei-gliedrige Formeln vorkommen: kanist enti kanäda in A und B 7 = alt. bair.Beichte 7 (aber in der altslav. Beichte C bloß gratiam, S. 434,18); riuun entiharmscara in A und B 9 = alt. bair. Beichte 9 (aber in der altslav. Beichte A nurpunitionem S. 433,22); kauuizzida ja furistentida 12 f. A und B; soso du uuellesenti dino canädä sin (enti soso dirge zeh st B) Aund B16 (auch in der altslav.Beichte A, S. 433,22 f. die Doppelformel prout taa misericordia et tibiplacitum).
Der Dialekt beider Handschriften ist bairisch; der der Hs. A hat jüngerenCharakter als der der älteren bairischen Beichte, noch spätere Formen hatdie Hs. B. Echt bairisch ist wohl ö in mözi A, mözzi B Z. 9 gegen muozzider älteren bair. Beichte Z. 9. Die bair. Präfixform ka- hat Emm. in kadanccho 3,kanist, kanäda 7 (und 11) gegen ki- in der alt. bair. Beichte 7; Schwankenin der Schreibung kyhukkiu edo ni kihukku Emm. 3 gegen kihukkiu eddoni gahukkiu alt. bair. Beichte Z. 3; das y in kyhukkiu Emm. ist wohl dieAushilfsbezeichnung (Otfrid ad Liutb., Erdmann S. 6,61), da der Schreiberschwankt, ob er ka- oder ki- setzen sollte; ebenso kyridono Z. 5, wo ky- alsPräfix aufgefaßt wurde. In Z. 12—24 sind Spuren einer andern Orthographie:A hat hier nur ka-, ca-, ga-, während in Z. 1—10 ka-, ki-, ky- (ky-) wechseln(Steinmeyer, MSD. II 3 , 397); hier tritt in A auch die Konjunktion ja auf,Z. 12. 13. 21 (fünfmal). 22, bei sonstigem enti.
Als Zeit, in der die Zusammenstellung unseres Stückes stattfand, sindetwa die Jahre 820—830 anzusetzen. Der Titel „St. Emmeramer Gebet" istnicht genau, richtiger wäre „St. Emmeramer Beichte und Gebete". 2 ) Insofernauf die Beichte noch Gebete folgen, hat die Anlage Ähnlichkeit mit der derFuldaer Beichte, MSD. Nr. 73, nur daß dort das Sündenbekenntnis den Haupt-gegenstand bildet und am Schluß nur wenige Gebetsworte stehen, derenInhalt = St. Emmeramer Gebet Z. 12—14 ist.
3. Klosterneuburger Gebet.
MSD. Nr. 84 u. II 3 , 416 f.; Piper, Alt. d. Lit. S.459; Kelle, LG. 1, 285. 416. — ErsterDruck von Graff, Diutiska 2 (1827), 382; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr. 61S.51. 171; Fr. Wilhelm, Münchener Texte H. 8 (1914), 28 f.
Hs.: Stiftsbibliothek in Klosterneuburg Nr. 987, 10. Jh., ein Psalterium;
') Von Z. 14 an, also im zweiten Gebet I enti milteo trohtin 19, mit imiho (Z. 15.17.
(IIb), steht in A trohtin (außer bei dem | 20.22). B hat auch das Attribut wiho nicht,
das Gebet einleitenden trohtin 14) nie ohne , 2 ) Vgl. den Schluß der Anmerkungen zu
Attribut und zwar immer, außer in enstigo \ Nr. 78B (St.Emmeramer Gebet), MSD. II 3 , 402.