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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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327
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B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 61. Prosagebete. 327

Die in altkirchenslavischer Übersetzung überlieferten zwei bairischenBeichten, die altkarantanischen (s. unten), 1 ) stehen in naher Beziehung zurälteren bairischen Beichte bezw. dem St. Emmeramer Gebet. Die Confessio(= I. Hauptteil a und b, Z. 111) geht beiderseits auf ein und dieselbeFormel zurück. Das zweite Gebet des zweiten Teils (IIb, Z. 1424) enthaltendie slavischen Übersetzungen ebenfalls, mit Variationen, stellenweise aberdoch wörtlich. Das Gebet der zweiten slavischen Beichte C, MSD. II 3 , 434Z. 1724, ist einheitlicher als das in der ersten, A, ebda S. 433 Z. 24434,30,und als der entsprechende Passus im St. Emmeramer Gebet. Es enthält dreiSätze: 1. Gott, gib mir Deine Gnade, daß ich am jüngsten Gericht vor Dirbestehe = St. Emm. 7 ff.; 2. Dir, Gott, empfehle ich mich . . . = St. Emm.19 ff.; 3. Christus, bewahre mich vor dem Übel = St. Emm. 14 ff. und 23 f.Es ist wohl etwas gekürzt, denn die Stellen der slav. Beichte A Z. 18 undZ. 21 (= St. Emm. Geb. Z. 19 und Z. 16, s. MSD. II 3 S. 435) fehlen hier, kommtaber dem Original näher als das St. Emmeramer Gebet, während in der slav.Beichte A die Reihenfolge durch Aufnahme von Sätzen des Gebets in denBeichtteil gestört ist. Auch Einzelheiten stellen sich im St. Emmeramer Gebetals unecht heraus. Der mit 'daz' eingeleitete Satz Z. 7, gegenüber kauuerdösfargepan der alt. bair. Beichte Z. 7, scheint doch nicht vollständig zu sein (vgl.Vondräk, Z. f. slav. Phil. 16,124); Z. 8 bei fora dinen augöh ist Hnjudlcll die'ausgefallen (C. 18f.). Daß an die Stelle von trohtln 14 Christ cotes sun 15zu setzen ist, wie Scherer, MSD. II 3 S. 400 Z. 7 von unten, vermutet, wird er-wiesen durch die altslav.Beichte CZ. 22,MSD. II 3 , 434,22, Chrlste, deifili usw.Stark aber ist die Umbildung des zweiten Gebets (IIb). Hier sind im St. Em-meramer Gebet überflüssige Sätze eingeschaltet, die den Inhalt nicht materiellvermehren, sondern nur in der Stimmung, im Pathos verstärken und ihngegenüber dem straffen Text der slav. Beichte C verschwommen machen.Es sind die Bitten um Hilfe Z. 17 f. (kauuerdo mir helfan, Wiederholungvon Z. 10 [bezw. 12]) und um Gnade Z. 22 f. {leisti ... bis scalhe dinemo); dieBitte um Erlösung am Schluß ist auch schon Z. 15 vorgebracht. Falsch istdie Stellung der Substantiva in der Reihe Z. 20 f.; die richtige Folge hat diealtslav. Beichte C Z. 21: zuerst die Trias der Möglichkeiten des Sündigens,Wort, Werke und Gedanken 2 ); dann die körperlichen Bestandteile des Men-schen, Herz und Leib, dann Leben und Lebenskraft (Seele).

Der Text der Hs. B ist in den Zeilen 1014 korrekter als der von A.Diese lauten nach B: Qot almahtigo, kauuerdo mir helfan entl gauuerdomir fargeban keuuizzlda entl furlstentlda, cutan uulllun mit rehtangaloupon za dinemo deonosta; A dagegen hat nach farkepan Z. 11 kamstentl kanäda aus Z. 7 wiederholt (wo die Worte gemäß der älteren bairischen

') Scherer, MSD. II 3 , 433 ff.; Vondräk, I Gebets, in der Beichte Z.2L, sind diese drei

Beitr. 22, 201208 u. Z. f. slavische Philologie | Punkte richtig zusammengestellt. Der zweite

16,118132; Braune, Beitr. 1, 527534. . Teil mit der unverständigen Umstellung rührt

2 ) In dem ersten Teil des St. Emmeramer I eben von einem andern Verfasser her.