326 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
S. 218. — Erster Druck der Hs. A (zugleich mitB): Franz Pfeiffer, Forschung und Kritikauf dem Gebiete des deutschen Altertums II, 20—38, Wiener SB. 52 (1866); erster Druck derHs. B: Docen, Einige Denkmäler der ahd. Literatur (1825) S.6; Massmann, Abschwörungs-formeln (1839) Nr. 30 S. 43. 131—134; M. Pfannerer, Altd. Beicht- und Gebetformel auseinem Codex des Stiftes Tepl, Progr. d. Gymn. zu Pilsen 1870; Piper, Z. f. d. Phil. 15 (1883),83f. (dazu vgl. MSD. II 3 , 398 Z.H. von oben); Steinmeyer, Ergebnisse S. 218.
Hss.: A im Stift Tepl bei Marienbad in Böhmen, 224 S., 8°, 9. Jh., stammt,laut Eintrag auf der letzten Seite, aus dem Kloster Oberaltaich in Nieder-baiern. Unsicher ist, ob die Hs. in St. Emmeram oder in dem 1104 neu be-gründeten Kloster Oberaltaich entstanden ist, da in dieses Handschriften vonSt. Emmeram übergegangen sind. A ist aus zwei ursprünglich verschiedenenHandschriften zusammengestellt, die erste besteht aus einem Poenitentiale,die zweite enthält eine „Sammlung von Gebeten, Beichten, Litaneien, Segens-formeln" und unter den Confessiones (Beichten) auf S. 182—186 unserGebet. B. Kgl. Bibliothek in München, Cod. lat. 14345, 117 Bl., fol., 11. Jh.,stammt aus St. Emmeram, 1 ) enthält die Briefe Pauli lateinisch mit deutschenGlossen und, von anderer Hand, auf dem letzten Blatt, 117 a , unser Gebet.
In A und B folgen auf das deutsche Stück zwei bezw. ein lateinischesGebet (abgedruckt MSD. II «, 398).
Das St. Emmeramer Gebet zerfällt in zwei Teile (vorausgesetzt ist imfolgenden für die Zeilen 10 zweite Hälfte bis 14 erste Hälfte die Fassung B,zitiert wird jedoch wegen der Deutlichkeit nach A): I. Z. 1—11, die Confessio(a. Sündenbekenntnis, Z. 1—7; b. Beichtgebet mit Bitte um Gnade, Z. 7—11),übereinstimmend mit der älteren bairischen Beichte; II. Z. 12—24, den dieältere bairische Beichte nicht hat (a. allgemeines Gebet mit demselben In-halt wie das fränkische Gebet, Z. 12 zweite Hälfte bis Z. 14 erste Hälfte;b. Beichtgebet, Bitte um Gnade, Z. 14 zweite Hälfte bis Z. 24).
Das zweite Gebet, IIb, ist wie das erste, IIa, aus geläufigen Formelnzusammengestellt. Gott, der als Erlöser dargestellt ist (Z. 15), und Christuswerden um Gnade für den sündigen Knecht (famulas, servus) angefleht;Gottes Gnade, Barmherzigkeit und Milde Z. 19 f. = dementia et mlsericordia,die häufig in Beichtformeln vorkommen; helfan wie adjuvare, adjutor 12.18;du eino umist uueo mino durfti sint 19 f., vgl. wizzist daz ich sin durftichsi MSD. Nr.96, 86 (vgl. auch II 3 S.415); besonders häufig kommt die letzteBitte des Vaterunsers vor, in unserm Gebet am Abschluß Z. 23, ferner MSD.Nr.92,20f., Nr. 96, 95; Wasserschieben, Bußordnungen S.423.426: Dominuscustodiat te ab omni malo, S. 553: ut vitam praesenti ab omni malo eoseripias, S. 555: liberet vos Dens ab omni malo.
Der Entstehung nach waren es aber ursprünglich nicht zwei, sonderndrei verschiedene Stücke: «) Z. 1—11 = der alt. bair. Beichte; ß) Z. 12—14= dem fränk. Gebet; y) ZA4 —24 ein Beichtgebet, ein anderes als das inZ. 7—11. Daß ß und y ursprünglich getrennt waren, zeigt sich auch darin,daß ß in den altslavischen Beichten nicht vorkommt.
J ) Steinmeyer, Ahd. Gl. 4,538.