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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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324 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

etwas anders stilisiert als die älteren. Auf das Misereatur und Indulgentiamfolgt als Schluß die Commemoratio vivorum, d. i. die Oratio pro ecclesia,das allgemeine Gebet.

Auch in dem Stück der Linzer öffentlichen Bibliothek aus Baumgarten-berg (14. Jh.), MSD. II 3 , 457, steht das allgemeine Gebet, und zwar am An-fang, darauf das Vaterunser, der englische Gruß, das Glaubensbekenntnis,die Confessio generalis, die Indulgentia.

Eine merkwürdige Formel ist Zeitzer Glaube und Beichte, MSD. II 3 , 437.Es ist deutsch-lateinische Mischprosa. Der Verfasser hatte eine deutscheBeichte als Vorlage, in die er einige Wörter, manchmal unrichtig, ins Latei-nische übersetzte. Das deutsche Original gehörte wohl dem 11. Jh. an.

Seit dem 14. Jh. erschienen dann umfassendere 'Beichtbücher' für denPriester zur Vorbereitung auf das Bußsakrament, Zusammenstellungen allesdessen, was sich auf Sünde und Reue bezieht, mit Ausdehnung auf dieGlaubenslehre überhaupt. So das von Oberlin herausgegebeneBihtebuoch,Dabey die Bezeichenunge der heil.Messe" (14. Jh.), Straßburg 1784; Die Bam-berger Beichtbücher aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, hrsg. vonHeinrich Weber, Kempten 1884; Beichtbuchlein des Magisters Johannes Wolff(Lupi), 14551468, hrsg. von F. W. Battenberg, Gießen 1907; Martins von Am-berg Gewissensspiegel (14. Jh.), s.Wackernagel, LG. I 2 , 422 Anm.10; vgl.auchV Hasak, Der christliche Glaube des deutschen Volkes beim Schlüsse desMittelalters (1868) passim.

§ 61. Prosagebete.

Die althochdeutsche Gebetliteratur ist nicht umfangreich; außer denschon behandelten Denkmälern, dem Prosaanhang des Wessobrunner Gebetsund den kleinen Reimstrophen Sigiharts und des Augsburger Gebets, sindnur kurze prosaische Orationen erhalten, deren mehrere den Abschlußvon andern religiösen Denkmälern bilden. Nur das von Ötloh zusammen-gestellte Stück ist eine inbrünstige Aussprache des Herzens und das einzigepersönliche, mit einigen individuellen Zügen ausgestattete Gebet.

Man teilt die Gebete für gewöhnlich ein in Lob-, Dank- und Bittgebete (zuwelchen speziell die Beichtgebete gehören). Hrabanus Maurus, De clericoruminstit. II, 12 (Migne 107,330) gibt eine Vierteilung: Obsecrationes, Bittgebete;Orationes, Gelöbnisse frommen Lebens; Postulationes, Gebete für andere,für die Angehörigen, für den Frieden, für alle Menschen, für die Könige;Gratiarum actiones, Dankgebete. Dem Inhalt nach sind die uns erhaltenenStücke (unter Zugrundelegung der Dreiteilung) Bittgebete. Das Augsburger,das St. Emmeramer und das Klosterneuburger Gebet stehen unter sich inengerem Zusammenhang durch das Thema von der Erlösung von Sünden;es sind also Beichtgebete; schon durch diesen gleichen Inhalt sind auchgleiche Formeln bedingt. Eine zweite Gruppe bilden der prosaische Teil desWessobrunner Gebets, das fränkische Gebet, aus dem St. Emmeramer Gebet