Druckschrift 
Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
320
Einzelbild herunterladen
 

320 U. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Das Wahrscheinlichste ist, daß ein und derselbe Geistliche zuerst diePredigt über Himmel und Hölle bezw. über die Laster des Weltstaates undüber die Tugenden des Gottesreiches abfaßte und dann, unter Benutzungeines sehr langen Sündenregisters, eine Beichte (Vorlage von BambergerGl. u. B. und Wessobr. Gl. u. B. I) zusammenstellte, welche beiden Quellen,Predigt über Himmel und Hölle und Sündenkatalog, in ähnlicher Weisezusammenhingen, wie wir das in des Honorius Predigt noch tatsächlichbeobachten können.

Die Entstehungszeit der gemeinsamen Vorlage von Bamberger Gl. u. B.und Wessobrunner Gl. u. B. I ist gegeben mit der Datierung von Himmel undHölle. Das Thema von der Gegenüberstellung der himmlischen Herrlichkeitund der Qualen der Hölle wurde beliebt nach der Mitte des 11. Jahrhunderts.Der Ursprungsort ist nicht ganz sicher. Baiern oder Bamberg kommen inFrage. Die Wessobrunner Beichte ist höchst wahrscheinlich nicht in diesemMännerkloster entstanden, da sie für Frauen, also eher für ein Frauenklosterberechnet war.

6. St. Galler Glaube und Beichte III.

MSD. Nr. 92 u. II 3 ,446 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 457; Kelle, LG. 2, 49.472. Ältester Druckbei Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1 (1844), 330, dazu Kollation von Steinmeyer, Z.f. d. A. 17 (1874), 449, und von Piper, Z. f. d. Phil. 11 (1880), 274. Sprockhoff S.44f.

Hs.: Stiftsbibliothek in St. Gallen Nr. 338, 798 S., 4°, 10. Jh.; 1 ) das Glaubens-bekenntnis ist im 12. Jh. auf der ursprünglich leeren Seite 304 eingetragenworden.

Der Dialekt ist alemannisch.

Gliederung: A. Abschwörungsformel Z. 1. B. Glaubensbekenntnis Z. 2bis 16. C. Beichte Z. 1621: Sündengebiet Z. 17; Schluß: Reue und Schuld-bekenntnis, Bitte um Vergebung der Sünden Z. 1721.

Das Stück ist eigentlich ein Glaubensbekenntnis mit angehängter Beicht-formel.

7. Alemannischer Glaube und Beichte.

MSD. Nr. 93 u. II 3 , 447449; Piper, Alt. d. Lit. S.457. Massmann, Abschwörungs-formeln (1839) Nr.9 S.37f. 7580. Sprockhoff S.44f.

Das Denkmal ist nur in drei Drucken überliefert: A. Goldast, Ale-mannicarum rerum scriptores II (Francof. 1606), 173. B. J.Stumpf, Schweizer-chronik IV, 50 (Zürych 1548) B1.325b, in modernisierter Sprache. Beide Druckesind ein und derselben Handschrift entnommen, die wahrscheinlich in St. Gallenwar. C. Eine nur wenig erweiterte Fassung von B gibt der Abdruck einerverlorenen Straßburger Hs. in Schilters Thesaurus I, mon. catech. 86 f. DerDialekt ist hier elsässisch, es kommen aber niederdeutsche Formen vor: ick,ye = hie, he 'er', lacke = lac he, sale = soll, v für b in keloue (dat in demvorausgehenden Vaterunser, s. Massmann S. 38). Vielleicht erklärt sich dieunsinnige Orthographie daraus, daß der Schreiber ein geborener Niedersachse

J ) SCHERRER, Verzeichniss S. 118.