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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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319
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B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 60. Beichtformeln. 319

wuoftin, in chlagasere, gehören gewiß nicht zu den Bestandteilen einesBeichtformulars, sie haben ihren Platz in einer Schilderung der Hölle. Einesolche ist ebenfalls in des Honorius Predigt enthalten (Sp. 1099AB); vielnäher aber kommt gerade hier das deutsche StückHimmel und Hölle",das in der Handschrift von Bamberger Gl. u. B. enthalten ist, und wir werdenalso anzunehmen haben, daß beide Stücke, Himmel und Hölle und die Bam-berger Beichte, von einem Verfasser herrühren. 1 ) Einige Übereinstimmungensind für einen Zusammenhang beweisend: wistuom Himmel und Hölle 39= Bamberger B. 220; mit allemo wolewillen H. u. H. 40 = wollawilligheitB. 214; geistliche mendi H. u. H. 62 = geistlicha mandunga B. 219; misse-hebeda H. u. H. 86 = ungehebede B. 200; mamminde 88 = mamminti B. 215finden sich bei der Schilderung der Hölle, in der Beichte unter den Unter-lassungssünden. Ferner: unfrouwida H. u. H. 119 == unfroude B. 149; allerweskreio meist H. u. H. 150 = in wescreie B. 150; der ursinnigliche zornH. u. H. 181 == in ursinnigheite B. 160 f. als ein Laster des Zornes; ubelwilloH. u. H. 182 = in ubilwilligheite B. 143; tarahafti H. u. H. 185 = tarehaftiB. 147, untarehafti 225 f. Dazu kommt, daß die Liste der Haupttugendenin Himmel und Hölle 5158 die drei Kardinaltugenden Liebe, Hoffnung,Glaube, dazu Wahrheit, Barmherzigkeit, Festmut enthält, die auch in derListe der führenden Tugenden in der Beichte, Z. 210214, stehen, wozudann noch die schon genannten wistuom mit allemo wolewillen, geistlichemendi H. u. H. 39. 40. 62 auch in dem gleichen Abschnitt der Beichte stehen(minna, wistuom und wolewille in H. u. H. 3840 sind allerdings die Be-griffe der drei göttlichen Personen, = memoria, intelligentia, voluntas nachAugustins Lehre von der Dreieinigkeit). Merkwürdig ist die Parallelebetwungeniste phragina H. u. H. 132 mit in bitwunginheite, in pfraginungoB. 174, denn in H. u. H. hat phragina die Bedeutung 'Bedrängnis', solltedann aber pfrangina heißen, denn bei phragina ist doch an ahd. pfraginäri'Händler' zu denken, während hier der Sinn ein Substantiv zu mhd. pfrangen,pfrengen 'pressen, drängen, bedrücken' verlangt. Also liegt entweder einSchreibfehler vor oder eine Verwechslung der beiden Wortstämme pfrag-und pfrang-. Bei der Schilderung der Hölle ist der BegriffbedrückendeFessel" am Platze, dagegen muß bei der Einreihung unter die Laster desGeizes, unter welchen in bitwunginheite, in pfraginungo in der Beichte auf-geführt wird, an eine Übertragung der Bedeutung gedacht werden, insofern dieHabsucht bedrängende Sorgen verursacht, sowohl dem Geldgierigen, der inihrem Bann steht, als dem, der jenem verfällt; *pfranginunga aber, Handel-treiberei, würde wieder in den Zusammenhang der Habsuchtswörter in derBeichte passen. Jedenfalls liegen verschiedene Ideenassoziationen und wohlauch Mißverständnisse bei der Anwendung des Wortes vor.

») Scherer, MSD. II 3 , 445. Sprockhoffhat S. 72 f. eine Reihe Gleichungen zwischenbeiden Werken verzeichnet; von diesen stim-

men die meisten nur im allgemeinen, zeigenaber doch den gemeinsamen Gedankenkreis;s. auch B. Q. Morgan, Beitr. 38, 344.