B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. §60. Beichtformeln. 315
der Besserung, Anrufung der Fürbitter um Beihilfe zur Buße, der Mitgemeindezur Zeugenschaft für reuevolle Beichte.
2. St. Galler Glaube und Beichte I.
MSD. Nr. 88 u. II 3 ,438; Piper, Alt. d. Lit. S. 457; Kelle, LG. 2, 49. 271. — Erster Druckbei Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1 (1844), 328 f., dazu Kollation von Steinmeyer, Z. f.d. A. 17 (1874), 449, und von Piper, Z. f. d. Phil. 11 (1880), 274. — Sprockhoff S. 42.
Hs.: Stiftsbibliothek zu St. Gallen Nr. 232,*) 331 S., 4°, 9. Jh., enthältBuch XI — XX von Isidors Etymologien, auf der Rückseite des ersten, früherzweiten Blattes die vorliegende Beichte von einer Hand des ll.Jhs.
Der Dialekt ist alemannisch: aide 3. 5; souaelero8; enro 19; Inf. erstanden19; Mittelvokal in aiiared 17, uuerecho 20.
Gliederung: A. Beichte Z. 1—11: I. Einleitungs- und EmpfängerformelZ. lf. II. Hauptteil: SündenbekenntnisZ.2—8 (nurUniversalformeln). III. SchlußZ. 8—11: Bitte um Ablaß. B. Ablaßformel des Priesters Z. 12—14. C. Glaubens-bekenntnis Z.15—20. D. Wieder Bitte um Ablaß Z.20f.
3. St. Galler Glaube und Beichte II.
MSD. Nr*. 89 u. II 3 , 438—440; Piper, Alt. d. Lit. S. 457; Kelle, LG. 2, 49. 271. — ErsterDruck von J. von Arx, Geschichten des Kantons St. Gallen 1 (1810), 204—209; Graff, Diutiska2 (1827), 280L; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr.8 S.36L 74—80; Nr.23 S.41.125;Nr. 41 S.46.148 f.; Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1 (1844), 325—328, dazu Kollationvon Steinmeyer, Z.f. d.A. 17 (1874), 448 f., und von Piper, Z.f. d. Phil. 11 (1880), 274. —Sprockhoff S. 42—44.
Hs.: St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. 1394, Sammlung einzelnerBruchstücke, 2 )das vorliegende ist von einem Buchdeckel abgelöst und bildet S. 143 f.
Sprache: der Schreiber war ungewandt, offenbar waren die Endvokaleschon stark in Verfall, deshalb wußte er sie nicht richtig zu behandeln. Ersetzt schwache e überschüssig: wtzzene D. PI. 9; irstarbe 28, fuore 31, disene38. 41, offene 45; oder er läßt die Endvokale weg: genöskeft 18, gelob 25ff.,wolt 29. Auslautendes n oft weggelassen: von demo eriste 8, gelobe 23(zweimal), gelob 24 (vielleicht hat aber der Schreiber überhaupt den Infinitiv,der erfordert wird, mit der 1. Pers. Si. Präs. verwechselt). Alemannisch ist derMittelvokal zerfurahtinne 17; dar 6; 2. Pers. PI. auf -ent: wärend ir 7 u. ö.;soler 14. Der Sprache nach (und auch wohl zufolge der Schrift) ist dasDenkmal gegen das Ende des 11. oder in die erste Hälfte des 12. Jhs. zu setzen.
Gliederung: A. Z. 1—21 ist eine Beichtpredigt und schließt mit derAufforderung des Priesters an die Gemeinde, ihm das darauf Folgende nach-zusprechen. Die Predigt ist eine Interlinearversion. 3 ) B. Darauf kommt dieAbschwörungsformel Z.22f., dann das Glaubensbekenntnis Z. 23—37. C. DieBeichte Z.38—43 zerfällt in: I. Einleitungs- und Empfängerformel Z.38f.II. Hauptteil: Sündenbekenntnis Z.39f. (Universalformel, dann von Einzel-
^SCHERRER.Verzeichniss der Handschrif-ten der Stiftsbibliothek von St. Gallen S. 84.2 ) Scherrer S. 456—461 (unser Denkmal
Nr. XVI S. 460 f.).
3 ) In MSD. steht der lateinische Text imZusammenhang unterhalb des deutschen.