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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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310
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310 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

9. Jüngere (zweite) bairische Beichte.

MSD. Nr. 77 u. II 3 , 395f.; Braune, LB. Nr. 22 u. S. 176; Piper, Alt. d. Lit. S. 133, Höf. Epik3,675 f.; Kelle, LG. 1,231.393; Kögel, LG. 2,539, Grundr. 2 S.149f.; Steinmeyer, ErgebnisseS.218; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr. 29 S.43.131132. SprockhoffS.40.

Ist nur in Sebastian Münsters Cosmographei, Basel 1561, S. CCCCLX er-halten, aber unvollständig, unter der Überschriftoffne alt Fränckische beicht".

Charakteristisch für den Dialekt 1 ) sind p für b im Anlaut: plgihtic 1,äpulge 9,pisuuiche (gedr. bei S. Münster/? isaniche) 11, piuuellidaXI, pisprähun12 f., sie sprechen für alemannisch oder bairisch; schwache i: unti (häufig),missitäti 3, desin 4, huohmuti 8, urteilt 14, inl. viginscephte 9, römigerne 16kommen im Bairischen, besonders aber im Alemannischen vor; ausgesprochenbairisch aber ist inl. p in zoupre 8, ausl. ch aus g in tahc 5. Die Vokale derEndsilben sind oft zu e abgeschwächt: geile 8, abunste, vtginscephte, äpulge 9,manslahte (gedr. manfzlate) 10, dansungen 13, gichösi, uueichmuote 15,römigerne 16, scolte 17, zu i im Gen. PI. missitäti 3; schwache a (besondersbairisch): aus o: vuitzunta 5, unuuizunta 5f., aus e: hungrenta, turstiga,nackota 20; Fehler ist sicher: scoltu 19 und auch charcharo 18; abgeschwächteMittelvokale: uuitzunta, unuuizuntabt., uuachanto6,gifrumeta7, hungrenta20;Abfall des Endvokals: (in) vnrehter (giru) 12. Manche der e können aberlediglich Fehler im Drucke sein, die gar nicht in der Vorlage standen. ImWortschatz hervorzuheben ist toupha (geschr. touf ha) 4, nach der fem.ö-Dekl., das gegen altem toufi erst im 11. Jh. auftritt; und das bair. lichnamo\2.\7 (gedr. lichnanim bezw. lihcnamin) gegen sonstigem ahd. lichamo.

Nach dem Lautstand ist bairische Herkunft des Denkmals wohl alssicher anzunehmen. Die abgeschwächten Endungen sprechen für späteresAlthochdeutsch, etwa für die Zeit um 1000.

Gliederung: I. Einleitungs-und Empfängerformel Z. 1 f. II. Hauptteil:Sündenbekenntnis Z. 320 (Universalformel mit Sündengebiet, Angabe vonArt und Weise, Zeit Z. 38; Aufzählung der Sünden Z. 820). III. DerSchluß fehlt.

10. Ältere (erste) bairische Beichte.MSD. Nr. 78 A u. II s , 396 f.; Braune, LB. Nr. 18 u. S. 176; Kelle, LG. 1,135 f. 356; Kögel,LG. 2, 533535, Grundr. 2 S. 149. Erster Druck bei Martene, Tractatus de antiqua ecclesiaedisciplina, Lugduni 1706, 650 f. (andere Zitate s. MSD. II 3 , 396); wieder bekannt gemacht durchJ. Schwarzer, Z. f. d. Phil. 13 (1882), 353 f. Sprockhoff S. 38 f.'

Hs.: Stadtbibliothek zu Orleans Nr. 184, 356 S., fol., 10. Jh., aus S.Fleury,enthält Werke Isidors, lateinische Gebete und auf S. 328 unsere Beichte. 2 )

Der Dialekt 3 ) ist bairisch: inl./?: fargepan 7, hapen 9, und altertümlich:au ist noch nicht zu ou geworden: augöm 8; erhaltene j: suntiöno 1, missa-tätio 1. 9, kihukkiu, gahukkiu 3, meinsuartio 5, firinlustio 6, uualtantio 10;

*) Braune, LB. S. 176.

2 ) Kelle macht LG. 1, 231 auf Überein-stimmung des Eingangs mit dem Ordo Ro-manus aufmerksam, aber in Betracht kommen

nur die Worte vona mlnero toupha unzi indesin hutigun tach 4 f., da das Übrige zu demfesten Bestände dieser Beichtformulare gehört.3 ) Kögel, LG. a. a. O.