B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. §60. Beichtformeln. 311
anl. hr: hriuün 9, aber w statt hw in uuie 6; ausl. m: augöm 8. Danach istdas Denkmal an den Anfang des 9. Jahrhunderts zu setzen. Aber es findensich fränkische Spuren: das Präfix kl-, gl-: kidancho, klhukklu 3, kiteta 6,klnist, kinäda 7, neben bairischem ka-, ga: gahukkiu 3, kauuerdösl'; fränkischist auch wo: huoröno 5, muose 6, muozzi 9. Also ist die Grundlage auchdieser Formel fränkisch gewesen.
Gliederung: I. Einleitungs-und Empfängerformeln Z. 1. II. Hauptteil:Sündenbekenntnis Z. 1—7 (Universalformel mit Sündengebiet, Angabe derArt und Weise, der Zeit Z. 1—4; Aufzählung der Sünden Z.5—7). III. Schluß:Bitte um Gnade und Verleihung der Bußfertigkeit Z. 7—10.
Verhältnis zwischen der jüngeren und älteren bairischen Beichte: beidehaben die sechs bezw. vier ersten Zeilen gemein, jedoch mit Abweichungen,was durch folgendes Schema veranschaulicht werden kann, in welchem dieTeile, die nur in der jüngeren Beichte vorkommen, kursiv, die nur in derälteren vorkommenden gesperrt gedruckt sind:
Truhtin [got almahtigo], dir uuirdu ih [suntlgo] pigihtik [untl sanctaMariün untl allen gotes engllun untl allen gotes helligun untl dir goteseuuarte] allero minero suntiöno enti [allem minero] missatätio, allesdes (de jung. B.) ih io missasprah eddo missateta eddo missadähta (umgestelltjung. B.) [vona minero toufha unzl In desln hutlgun tahc], uuorto entiuuercho enti kidancho, des (dero jung. B.) ih kihukkiu eddo ni gahukkiu,des (de jung. B.) ih uuizzanto kiteta eddo unuuizzanto, nötak eddo unnötak,släffanti eddo uuachenti.
Wie in der Einleitung, so ist auch im Sündenverzeichnis die ältereBeichte kürzer. Diese ist überhaupt die einfachste aller der hier behandeltenBeichtformeln, die Sündenaufzählung ist ganz gedrängt, Z. 5—7. Aber siestellt darum doch nicht die ursprünglichste Form dar, sondern ist eine aufnur wenige Punkte zugeschnittene Kürzung. Gerade das Sündenregister, dashier ganz zusammengeschrumpft ist, macht einen Grundbestandteil der Beicht-formeln aus (s. Weißenburger Katechismus, oben S. 296 f.) und ist im OrdoRomanus gewaltig umfangreich.
Die Schlußbitte in der älteren Beichte enthält Gedanken, die oft in denGebeten der lateinischen Beichtordnungen vorkommen.
Die ältere bairische Beichtformel kehrt wieder bei dem St. EmmeramerGebet, MSD. Nr.78B, 1—10.
Verwandtschaftsverhältnis der Beichten.A.I. Das umfassendste Sündenbekenntnis gibt die Sächsische Beichte,sie ist bei der Vergleichung zugrunde zu legen. Sie enthält in der Sünden-aufzählung folgende einzelne Beichtsätze (Z. 3—39): 1. Sünden gegen denGlauben (gegen die Obrigkeit u. a.) Z. 3—7; 2. Todsünden Z. 7—11; 3. ge-weihte Speise und Trank verschütten Z. 11 f.; 4. die Sache der Obrigkeit