304 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Hs.: ein zerstückeltes Pergamentdoppelblatt des 10. Jhs. (drei Teile derBeichte enthaltend), einst aufgeklebt auf den Deckel der Vorauer Hs. 267,13. Jh.,befindet sich jetzt in der kaiserl. Landesbibliothek zu Straßburg.
Der Dialekt hat bairische Merkmale, p für b: piscopha 15, piuual 17, undals hauptsächliches bairisches Kennzeichen/? im Inlaut: Klloupistu 1. 2, gi-loupan 12, unsüprita 17 f. Aber auch hier das südrheinfränk. muaterh undfränk. siohero 10 statt bair. siuhero; auch d in chlnd 6 dürfte auf das Rhein-fränkische weisen. Danach scheint das Denkmal in letzter Hinsicht auf einsüdrheinfränkisches Original zurückzugehen.
Als Zeit der Abfassung des Denkmals ist die zweite Hälfte des 9. oderder Anfang des 10. Jahrhunderts festzusetzen.
Der Text ist verwandt mit dem der Lorscher Beichte. Ausgelassen sinddie anaphorischen ih gihu.
Gliederung: voran gehen die Glaubensfragen, erweitert durch die Frageum die Trinität Z. 1—3. Dann die Beichte: I. Einleitungsformel Z. 4, dannLücke. II. Hauptteil: Sündenbekenntnis Z. 5—22 (Aufzählung der SündenZ. 5—18; Universalformel 18—22). III. Schluß . . . enti dir . . . Rest derEmpfängerformel. Da die Glaubensfragen vorhergehen, steht die VorauerBeichte den Denkmälern der zweiten Gruppe nahe, die Glaubensbekenntnisund Beichte zusammen haben. 1 )
4. Fuldaer Beichte.
MSD. Nr.73 u. S.385f.; Braune, LB. Nr.20 u. S. 176; Piper, Alt. d. Lit. S. 130f., Nachtr.S. 191 f. (Vatic. u. Gott. Hs., C u. A), Höf. Epik 3, 675 (Browers Abdruck); Kelle, LG. 1, 133.355; KÖGEL, LG. 2, 542 f., Grundr. 2 S. 156. — Erster Druck der Hs. A in Otfridi evangeliorumüber, Basileae 1571 (ed. A.P. Gassar, s. oben S. 171), <5 7^— s la; Massmann, Abschwörungs-formeln (1839) Nr. 27. 28 S. 42 f. 130 f. (Hs. A u. B); F. Pfeiffer, Forschung und Kritik aufdem Gebiete des deutschen Altertums 2,39—42, aus den Wiener SB. 52, 1866 (Hs.A); der-selbe, Germania 13 (1868), 385—388 (Hs. C). — Sprockhoff S. 46—48.
Hss.: A. Universitätsbibliothek zu Göttingen, Ms. theol. 231, 256 Bl., einaus Fulda stammendes Meßbuch des 10. Jhs. Unter der Überschrift Incipitconfessio steht auf Bl. 187a—d unser Denkmal. 2 )
B, fehlerhafter Abdruck aus einer verlorenen Fuldaer Hs. bei Chr. Brower,Fuldensium antiquitatum libri IUI, Antverpiae 1612 S. 158 f.
C. Vatikanische Bibliothek in Rom Nr. 3548, 183 Bl., 11. Jh., enthält Meß-gebete, darin Bl. 34 b—35 a unsere Beichte in einem lateinischen Ordo addandam poenitentiam. Voran gehen lateinisch die Glaubensfragen mit derTrinitätsformel.
Der Dialekt aller drei Handschriften ist ostfränkisch, sie sind also wohlwahrscheinlich alle in Fulda abgefaßt. Das Original ist wohl ebenda entstanden
') Auch in der sächsischen (WadsteinS. 124 f.) und in der Fuldaer Beichte (Germ.13, 386) gehen die Glaubensfragen voran, hierals Teile eines lateinischen Ordo ad dandampoenitentiam, in der Mainzer Beichte folgt
ein Ordo. Demnach war wohl unser Fragmentebenfalls in einen solchen eingeschaltet.
2 ) Siehe auch Steinmeyer, Z. f. d. A. 46,Anz. 28, 4.