Druckschrift 
Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
Seite
303
Einzelbild herunterladen
 

B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 60. Beichtformeln. 303

so ik scolda, unrehto las, unrehto sang, ungihörsam uuas, mir sprak endimir suigöda than ik scoldi 3335.

Gliederung: I. Einleitungs- und Empfängerformel Z. 1 f. II. Hauptteil:Sündenbekenntnis Z. 243 (Universalformel: Sündengebiet Z. 2f.; Aufzählungder Sünden Z. 339, dabei Z. 2629 das Sündengebiet nochmals, aber mitErweiterung; Universalformel: Art und Weise, Zeit Z. 3943). III. SchlußZ. 4348: nochmals Empfänger, Büß- und Bittworte.

2. Lorscher Beichte.

MSD. Nr. 72b u . n 3 , 380384; Braune, LB. Nr. 19 u. S. 176; Piper, Alt. d. Lit. S. 132,Nachtr. S.192; Kelle, LG. 1,134. 355; Kögel, LG. 2,543545, Grundr. 2 S. 153 f. ErsterDruck von Scherer in der zweiten Auflage von MSD. (1873) S.630L; Bartsch, Germania 20(1875), 13, dazu Scherer, Z.f.d.A. 19, Anz. 1,63f. Sprockhoff S.5355.

Hs.: Cod. Pal. 485 der vatikanischen Bibliothek zu Rom, 113B1., kl.fol.,Ende des 9. Jhs. im Kloster Lorsch beim Rhein, gegenüber Worms, geschrieben(nach 882) x ), enthält Berechnungen des Mondlaufs, liturgische und dogmatischeStücke; auf Bl. 2a2b steht eine lateinische Beichte, zu der am Rande vonjüngerer Hand unser deutsches Stück zugefügt ist.

Der Dialekt ist der von Lorsch, also rheinfränkisch (bes. der Wechselzwischen d und seltenerem t im Inlaut; d auch in hd: gidähda 3, biglhdi 6,mohda18, unrehdero 22 [zweimal], rehde 36; dt in druhdtin 43; td: bltdiu 42);vereinzelt ist das südrheinfränkische ua in muater 9.

Die Lorscher Beichte steht in greifbarer Verwandtschaft mit der sächsischenBeichte. Auch sie enthält die spezielle Mönchssünde zitio forläzanero 6 f. =sächs. B. 9, und andere in Z. 2631 (thaz ih heilac ambaht. . . ruoholösodeda usf.), jedoch nicht die Verfehlung gegen giuuihid mos usw. sächs. B.11 f. und die Selbstanklagen sächs. B. 3335. Der Text ist an einigen Stellenfehlerhafter als der der sächsischen Beichte (MSD. II 3 , 382 f.).2)

Gliederung: I. Einleitungs- und Empfängerformel Z. 1 f. II. Hauptteil:Sündenbekenntnis Z.239 (Universalformel: Sündengebiet, erweitertZ.26;Aufzählung der Sünden Z. 634, darin nochmals das Sündengebiet, aber mitErweiterung, Z. 2124; Universalformel: Art und Weise, Zeit Z. 3439).III. Schluß Z. 3943: nochmals Empfänger, Reue, Buße, Bitte. Nach der Beichtefolgt lateinisch der Segen des Priesters und das Indulgenzgebet Z. 4446.

3. Vorauer Beichte.MSD. Nr. 72c u. n«, 384f. (Bruchstücke einer Beichte"); Kelle, LG. 1,134.355; Kögel,LG. 2,540, Grundr. 2 S. 150. Zuerst bekannt gemacht durch W, Wattenbach, Archiv der Ge-sellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 10 (1851), 630; Martin, Z.f.d. A. 21,273277.Sprockhoff S. 55.

1 ) Bethmann, Archiv der Gesellschaft fürältere deutsche Geschichtskunde 12, 335 f.;E. DOmmler, Z. f. d. A. 18, 308; O. Dziobek,Z. f. d. A. 19,392; Bartsch, Katalog der Hand-schriften der Universitäts-Bibliothek in Heidel-berg Nr. 353.

2 ) Vor der deutschen Beichte steht eine

lateinische mit der Oberschrift Incipit con-fessio cujuslibet sapientis. Aus den in MSD.II 3 ,380 f. abgedruckten Stellen zu schließen istdas die Beichtanweisung Othmars, die gleiche,nach welcher die Würzburger Beichte (s. unten)übersetzt ist.