302 II. Dm Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
der Übermut, superbia, steht (MSD. Nr. 90,89. 91,117) und dessen Anordnungauch sonst durchschimmert, wie verworren auch die Zusammenstellung derSünden in den einzelnen Gruppen ist. 1 )
III. Der Schluß enthält, unterschiedlich, die Versicherung der Reue(daz riawet mich) und das Versprechen der Buße, sowie die Bitte an denPriester um Fürsprache bei Gott und oft auch an die Jungfrau Maria undan Heilige.
Die Einzelheiten sind nicht streng in begriffliche Gruppen geordnet,leicht schweifen die Gedanken vom System ab, aber die Assoziationen haltendas Ganze psychologisch zusammen.
Die Grundform des Stils ist Aneinanderreihung der Worte und Sätze:asyndetische Substantivketten und anaphorisch eingeleitete Sätze bestimmen dieSyntax. Manchmal ist eine germanische Alliterationsformel eingeschaltet 2 ) undverleiht dem kirchlichen Stil den Anstrich heimischer Art. Die Persönlichkeitdes Verfassers aber spricht sich in einem solchen formelhaften Stücke nie aus.
Die einzelnen Formulare. 8 )I. Beichten ohne Glaubensformeln.
1. Sächsische Beichte.
MSD. Nr. 72 u. II \ 376—380; Braune, LB. Nr.47 u. S. 199; Piper, Alt. d. Lit. S. 112—115,Nachtr. S. 1641; Kelle, LG. 1, 63 f. 321; KöGEL, LG. 2,545—556, Grundr. 2 S. 159. — Erste Aus-gabe von T. J. Lacomblet, Archiv für die Geschichte des Niederrheins 1 (1832), 1—9, rez. vonJ. Grimm, Gott. gel. Anz. 1832 S.392—397 u. Kl. Sehr. 5,125—129, nachverglichen von W.Cre-CELius, Germania 13,105; Massmann, Abschwörungsformeln (1839) Nr.33 S.44.137L; Heyne,Kleinere altniederdeutsche Denkmäler 2 S. 86f.; Gallee, Altsächsische Sprachdenkmäler S. 120bis 126. 373f. und Faksimile-Sammlung 3d; Wadstein, Kleinere altsächsische SprachdenkmälerNr. 3 S. 16 f. 123—126; Wilmanns, Gott. gel. Anz. 1893,538 f.; Jostes, Z. f. d. A. 40,134-140. —Leitzmann, Beitr. 26,261—265; Sprockhoff S.49—53; Schulze S. 91— 97.
Hs.: Kgl. Landesbibliothek in Düsseldorf, D. 2, 234 Bl., 4°, vom Anfangdes 10. Jhs., stammt aus dem Frauenstift zu Essen. Die Hs. besteht aus dreiTeilen 4 ): 1. Bl. 1—26, ein Kalendarium, darauf verschiedene Formeln und Lek-tionen; 2. B1.27—197, ein Missale; 3. Bl. 198—234, ebenfalls Formeln undLektionen. Die Beichte, Bl. 204 a, ist eingeschoben in das sog. PoenitentialePseudo-Bedae 5 ) und zwar in den Ordo ad dandam poenitentiam desselben,hinter die Oratio 'Precor Domine'.
Die sächsische Beichte ist nächst der älteren bairischen Beichte die amfrühesten geschriebene. Sie ist im Stift Essen selbst entstanden, das Originalfällt zwischen 850 und 900. Einige Stellen der Sündenanklagen beziehen sichauf Klosterverhältnisse, sie setzen die Benediktinerregel voraus, so besonders:minero gitidio farlätanero 9; ök iuhu ik that ik giuuihid mos endi dranknithargöt 11 f.; 6 ) mina gitidi endi min gibed so ne giheld endi so negifulda
') Schulze a. a. O. S. 98—117.
2 ) Kögel, LG. 2,543 f.
3 ) Sie sind hier in der Reihenfolge vonMSD. aufgezählt.
4 ) Steinmeyer, Z. f. d. A. 40, Anz. 22,274.5 )WASSERSCHLEBEN,BußordnungenS.248ff.; Schmitz a.a.O. 1,199.
6 ) Leitzmann, Beitr. 26,262 f.