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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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295
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B. Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 58. Sr. Galler Paternoster u. Credo. 295

Der deutsche Text des Vaterunsers ist im Weißenburger Katechismus undim Freisinger Paternoster ungelenk und starr, Notker (MSD. Nr. 79,1—25)hat sich dagegen völlig von den Fesseln der lateinischen Vorlage befreit.Die Sprache der Auslegung ist im Weißenburger Katechismus einfacher undverständlicher als im Freisinger Paternoster und kommt dem Volksempfindenmehr entgegen. 1 )

§ 58. Sankt Galler Paternoster und Credo.

MSD. Nr. 57 u. II «, 342—344; Braune, LB. Nr. 2 u. S. 172; Piper, Alt. d. Lit. S. 93; Kelle,LG. 1,55. 314; Kogel, LG. 2, 451 f., Grundr. 2 S. 139 f. — Erster Druck von M. Freher,Orationis dominicae et symboli apostolici alemannica versio vetustissima 1609; J. G. ECCARD,Catechesis theotisca (1713) S. 189; Schilter, Thesaurus antiq. teut. (1726), tom. 1, 2 S.85; Mass-MANN, Abschwörungsformeln (1839) Nr. 4 S. 34.71 f., Nr. 48 S. 48.159; Hattemer, Denkmahledes Mittelalters 1 (1844), 324f.; Steinmeyer, Z.f. d. A. 17,448; Piper, Z.f. d. Phil. 13,452f. Fak-simile bei Enneccerus 18—20.

Hs.: Stiftsbibliothek in St. Gallen Nr. 911, Ende des 8. Jhs.; es ist die Hs.des keronischen Glossars (s. oben S. 246), aber die Blätter mit den Seiten 291bis 323, an deren Schluß unser Denkmal steht (S. 319—322), sind erst späteran das keronische Glossar angebunden worden. 2 )

Die Sprache ist alemannisch. Ihr zufolge ist das Denkmal um 790 ent-standen 3 ) und zwar jedenfalls in St. Gallen selbst. Es gehört zu der durchKarls Kirchengesetzgebung hervorgerufenen Kleinliteratur, deren Ausgangs-punkt die Admonitio generalis von 789 bildet. Die Übersetzung ist sklavisch,Wort für Wort, in der mechanischen Art der Interlinearversionen, und warvielleicht überhaupt ursprünglich eine solche, gehört also noch zu den rohenAnfängen einer ungeübten Technik. Auf wirkliches Sinnverständnis war esnicht abgesehen, denn creatorem wird mit creaturam verwechselt und durchkiscaft 5 übersetzt; Pontio wurde mit potentia zusammengebracht, wodurchin kiuualtiu 7 entstand; peccatomm als Genitiv Plur. zu peccator statt zupeccatum gefaßt ergab suntikero 11; sanctificetur nomen tuum ist in wihinamun dtnan 1 aktivisch statt passivisch gewendet.

§ 59. Weißenburger Katechismus.

MSD. Nr. 56 u. II», 335—341; Braune, LB. Nr. 9 u. S. 174; Piper, Alt. d. Lit. S. 83—90,Nachtr. S. 11—17.242; Kelle, LG. 1,57f. 316; Kogel, LG. 2,454—458, Grundr. 2 S.152L —Erster Druck von J. G. Eccard, Incerti monachi Weissenburgensis catechesis theotisca (1713);H. Hoffmann, Althochdeutsches aus Wolfenbüttler Handschriften (1826) S. IX—XXI; Mass-mann, Abschwörungsformeln (1839) Nr. 3.17. 20.45.55. 66, S. 33 f. 40. 41. 47.49.55 u. 71 f. 88bis 106.121.158.161—163.175 f. (dazu A. Holtzmann, Heidelberger Jahrbücher 33 (1840), 713bis 717); R. Schnurr, Katechetisches in vulgärlateinischer und rheinfränkischer Sprache ausder Weißenburger Hs. 91 in Wolfenbüttel, Diss. Greifswald 1894. Faksimile bei Enneccerus21—28. — Hauck, Kirchengeschichte 2 3 - 4 , 286 f.; Kattenbusch a. a. O. 2, 824 Anm. IS. 828Anm.28. 863f.; Wiegand, Studien usw. IV, 2,330; derselbe, Das apostolische Symbol usw.,Gießen 1904.

x ) Dibelius, Das Vaterunser S. 107.

2 ) Steinmeyer, Z. f. d. A. 17,448.

3 ) Henning, Über die Sanctgallischen

Sprachdenkmäler bis zum Tode Karls desGroßen, QF. 3,149—153.