B.Literaturdenkmäler. 2. PROSADENKMÄLER. : §-57.FRErsiNGERPATERNOSTERAUSLEGUNG. 293
deutschen Ausdruck zu verletzen. Sie übertrifft den lateinischen Text anLebendigkeit in Z. 17, wo durch das Anakoluth Hauptbegriff und Subjekt desSatzes wiederholt wird. Zweimal sind durch Zusätze zweigliedrige Formelngebildet, Z. 10 und 13 f., die wohl als stilistischer Schmuck aufzufassen sind(zu caheizan 13 f. vgl. söse ih in dar antheizo uuard, Reichenauer BeichteMSD. Nr. 75, 25 f.).
§ 57. Freisinger Auslegung des Paternoster.
MSD. Nr. 55 u. II 3 , 331—335; Braune, LB. Nr. 8 u. S. 174; Piper, Alt. d. Lit. S. 90—93,Nachtr. S. 17 f. (Hs. B); Kelle, LG. 1,58f. 316; Kögel, LG. 2, 458—461, Grundr. 2 S. 148. —Erste Ausgabe der Hs. A von Docen, Miscellaneen 2 (1807), 288—290, dazu Graff, Diutiska 3(1829), 210f. (A); vonB: Docen, Einige Denkmäler der althochdeutschen Literatur in genauemAbdruck (1825) S.5f.; W. Wackernagel, Ad.Lesebuch 1835 Sp.7f., 1839 Sp.53—56 (A); Mass-mann, Abschwörungsformeln (1839) Nr.58. 59 S.49f. 165—168 (A und B); Piper, Z.f.d.Phil.15, 87 f. (A). Faksimile bei Enneccerus 29. 30 (A); Petzet und Glauning III * (A), Illb (B);Fr. von der Leyen, Das Freisinger Paternoster und verwandte altdeutsche kirchliche Literatur,Walhalla, Bücherei für vaterländ. Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte Bd. 3 (1908) (Fak-simile mit Übersetzung und Bemerkungen über die geistliche Literatur).
Hss.: A. Kgl. Bibliothek in München Cod. lat. 6330 aus Freising, gr. 8 Ü ,71 Bl., Anfang des 9. Jhs.; Hauptinhalt: Doctrinae patrum; auf Bl. 66a—70adie lat. Musterpredigt (Z. f. d. A. 12, 436 ff.), Bl. 70b. 71a unser Paternoster.
B. Kgl. Bibliothek in München Cod. lat. 14510 aus St. Emmeram, gr. 4°,186 BL, 9. Jh., ursprünglich drei Teile, in deren letzten Bl. 78a—79a das Vater-unser steht. B hat außer unserem Denkmal auch noch ein lateinisches Glaubens-bekenntnis mit A gemeinsam (MSD. II 3 , 331 f.).
A und B sind in bairischem Dialekt geschrieben, die Heimat des Ge-dichtes ist wahrscheinlich Freising. A hat ältere und jüngere Sprachformennebeneinander; ältere: e in intfengun 8 f.; ö in götlich 2; m im Auslaut:hlmilum 1, dikketn 6, desem 19, desem uuortum 26 f., unsrem scolötn 25 f.,cumfüchem 36; jüngere: uo in suonotakin 9, pluot 21, muozin 9. 17; öfterschwache a\ m>n im Auslaut: intfengun 8f., muozin 9. 17, uuekin 34, neben-einander in dinem ganädön 33. Die älteren Formen stammen aus einer Vorlagevon ca. 810—820, die jüngeren ergeben für die Abschrift A eine spätereAbfassungszeit, ca. 850—870. x ) B ist am Ende des 9. oder am Anfang des10. Jhs. abgefaßt. 2)
1 ) WüLLNER, Das hrabanische Glossar j in St. Emmeram geschrieben worden sein, daS.134f.(810—820);KÖGEL,LG.2,459,Grundr. I es erst später als der Hauptinhalt des drittenl 2 , 148 (855—875). I Teils (Alcuinus de Fide) auf einer vorgebun-
2 ) Eine Notiz am Schlüsse des dritten der i denen Lage eingetragen wurde. Jedenfallsdrei Teile, aus welchen B besteht, gibt An- sehen wir, daß sich dieses Vaterunser in einerhaltspunkte über die Geschichte der Hand- I Pfarrbibliothek befand und haben hier einschrift: Nunc comparavi libellum ego Deot-pert pecunia sancti Emmerami de presbiteroReginperti comitis nomine Wichelmo. Leidersind die Personen, Deotpert, Graf Reginpertund dessen Priester Wichelm, nicht festzu-stellen. Deotpert war wahrscheinlich Laie, derden Ankauf des libellus (d. i. jenes jetzigendritten Teils der Handschrift) für das Klostervermittelte. Immerhin könnte unserPaternoster | rein wissenschaftliche Schrift, die Grundlage
wichtiges Zeugnis dafür, daß dieCapitula Karlsdes Großen über die Bildung der GeistlichenErfolg hatten. In jenem dritten Teile stehenaußer unserer Auslegung des Paternoster nochdas schon oben bemerkte, auch in A aufge-nommene lateinische Glaubensbekenntnis undnoch ein anderes lateinisches in Fragen undAntworten. Den Hauptbestand aber macht eine