B. Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 56. Exhortatio ad plebem Christianam. 291
Menschen schwören ihren alten Glauben ab und bekennen sich zum Christen-tum; das fränkische Taufgelöbnis dagegen kann nur noch als traditionelleZeremonie bei der Kindertaufe in Gebrauch gewesen sein, da das ganzeVolk ja längst bekehrt war.
§ 56. Exhortatio ad plebem Christianam.
MSD. Nr. 54 u. II 3 , 323—331; Braune, LB. Nr. 6 u. S. 173; Piper, Alt. d. Lit. S. 102—104,Nachtr. S. 18—22 (Hss. A und B); Kelle, LG. 1,51—53.311 f.; Kögel, LG. 2,461—465, Grundr. 2S. 148. — Erste Ausgabe von J. H. Hottinger, Historia ecclesiastica 8 (1667), 1219—1222(Hs. A); Dietrich v. Stade, Specimen lectionum antiquarum francicarum (1708) S. 26—29(Hs. A, von D. v. Stade rührt die Oberschrift Exhortatio ad pl. ehr. her); J. G. Eccard, Cate-chesis theotisca (1713) S.74—77 (bloße Wiederholung von Stades Text, s. MSD. II 3 , 474);Docen, Miscellaneen 1 (1807), 6—8 (Hs. B), dazu Graff, Diutiska 3 (1829), 210; Massmann,Abschwörungsformeln (1839) Nr. 42. 43 S.46f. 150—154 (Hss. A und B); W. Wackernagel,Ad. Lesebuch, 1835 Sp. 5 f., 1839 Sp. 51—54 (Hs. B), 1859 Sp. 21—24 (Hss. A und B); W. Grimm,Exhortatio ad plebem christianum. Glossae Cassellanae, Abhandl. der Berliner Akademie 1848,425—511, mit Faksimile (Nachtrag ebda 1853,159—162) u. Kl. Sehr. 3,367—471 [ohne Fak-simile] (nach A und B); Faksimile außerdem bei EnneCCERus 32.33; Petzet und Glauning II.
Hss.: A. Landesbibliothek in Kassel, Cod. theol. 4° 24, 60 Bl., 9. Jh., ausFulda, s. oben S.249, enthält auf Bl. 13b—15a die Exhortatio und auf Bl. 15abis 17b unmittelbar an diese anschließend die Kasseler Glossen.
B. Kgl. Bibliothek in München, Cod. lat. 6244 Fris. 44, 146 BL, 9. Jh., ausFreising, zum größten Teil Kanones enthaltend; als vorletztes Stück Bl. 144bbis 146a die Exhortatio.
A und B gehen unabhängig voneinander von dem Original aus. Jededer beiden Handschriften hat Sonderfehler, im lateinischen Text von Z. 10an einige gemeinsame.
Der Dialekt beider Handschriften ist bairisch. 1 ) A stammt wahrscheinlich,wie B, aus Freising. Dort ist wohl auch das Original verfaßt worden. In Asind aus der Vorlage noch einige alte Endungs-m erhalten, sie fällt etwa indas zweite Drittel des 9. Jhs., B ans Ende desselben.
Dem deutschen Texte liegt ein lateinischer zugrunde, der in beidenHandschriften mit enthalten ist. Es ist eine Aufforderung des Priesters zu-nächst an die Gemeinde {fllil carissimi Z. 1), das Apostolische Glaubens-bekenntnis {regulam fidel 1) und auch das Vaterunser {verba ... oratlonlsdominlcae 10) zu lernen und im Gedächtnis zu behalten, dann besonders aberan die Paten (Z. 13 ff.), weil diese als Bürgen verpflichtet sind (mit filioli mel15 faßt der Priester diese als///« spirituales, als seiner geistlichen VaterschaftZugehörige, auf), dasselbe ihre Patenkinder {filiolum säum 15—17) zu lehren.
Die lateinische Exhortatio ist die offizielle Verkündigung eines kirchlichenGesetzes, 2 ) das zuerst im Capitulare missorum vom Jahr 802 (?) ausgegebenwurde. Am Schluß der Exhortatio selbst wird mitgeteilt, daß die vorgetragenenBestimmungen im Auftrag der Regierung {dominationis nostrae mandatum 22)gegeben seien.
J ) W. Grimm a. a. O. S. 431 ff. (Kl. Sehr. S. 374 ff.).2 ) Kögel, LG. 2,462.
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