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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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290 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Es gab also drei Formeln der Glaubensfragen bezw. Antworten in derTauf- bezw. Beichtordnung, je nach der Anzahl der Fragen bezw. Antworten:

1. die mit drei Fragen, die einfachste Form (das sächsische Taufgelöbnis);

2. die mit vier Fragen (altkarantanische und Vorauer Beichte);

3. die mit sieben Fragen (das fränkische Taufgelöbnis); dazu kommendann die durch ganz oder teilweise gesprochene apostolische Symbole er-weiterten Formeln der meisten ahd. Beichten.

Die Form der Interrogatio de fide 1 ) im Ordo Romanus aber ist wiedereine andere. Hier fehlt die vierte Frage, die nach der Trinität, dagegen istin der sechsten nicht auf die Taufe Bezug genommen und auf die siebenteFrage folgen noch zwei weitere (damit stimmt dann wieder die Formulierungdes Hrabanus Maurus teilweise überein).

Die Trinitätsfrage also ist überhaupt erst nachträglich aus dem SymbolumAthanasianum in die Fassungen 2 und 3 hereingekommen. Die Betonungder Trinität findet sich in abendländischen Taufsymbolen erst in einer ausGallien vom Ende des 6. bezw. 7. Jahrhunderts stammenden lateinischenFormel (Hahn § 64). Sie ist ein Bestandteil der irischen Symbolformeln undschon in der ältesten derselben aus dem 7. Jahrhundert enthalten (Hahn § 76[im Artikel vom heiligen Geist: unam habentem substantiam cum patre etfilio}) und kommt in Deutschland zuerst in einer lateinischen Confiteorformelvor, die in den beiden Handschriften der Freisinger Paternosterauslegung(8./9. Jahrhundert) enthalten ist (MSD. II 3 , 439 Z.3ff. [Z. 10 ff. von unten],Hahn § 94), und in der lateinischenMusterpredigt" aus der Zeit Karls desGroßen, ebenfalls in der Hs. A des Freisinger Paternosters (Scherer, Z. f. d. A.12, 436, 5 f.), ferner in den meisten ahd. Beichten (diedri genennede").

Das Verhältnis der drei Formulierungen stellt sich also dem Stoffe nachfolgendermaßen dar:

1. die dreifragige Formel des sächsischen Taufgelöbnisses: sie enthältden Stoff am einfachsten;

2. die Formel mit vier Fragen ist aus der vorhergehenden entstandendurch Anfügung der Trinitätsfrage;

3. die sieben- (oder mehr-) fragige Formel: sie ist entstanden aus derForm der alten Interrogationes de fide mit Einfügung der Trinitätsfrage.

Demnach gab es ursprünglich zwei Schemata der Glaubensfragen: a) daseinfache mit drei Fragen, b) die mehrfragigen Interrogationes de fide.

Der durch die vier Glaubensfragen erweiterte Text wird wohl in Fuldabezw. in der Diözese Mainz seit Anfang des 9. Jahrhunderts üblich gewesensein, da des Hrabanus Maurus Buch De clericorum institutione im Jahr 819verfaßt ist.

Die beiden Taufgelöbnisse haben eine verschiedene Stellung im Kult.Das sächsische ist unmittelbar für die Heidentaufe bestimmt, erwachsene

l ) Die alten Interrogationes fidei s. bei Hahn S. 3436, Ordo Romanus S. 35 f.; Martene3, 122 f.