288 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
deuten auf das Ende des 8. Jhs. als Abfassungszeit der Niederschrift. Zur näherenBestimmung der Mundart innerhalb des as. Gebietes sind keine festen Anzeichenvorhanden.
2. Das fränkische Taufgelöbnis.
MSD. Nr. 52 u. II 3 , 319—323; Braune, LB. Nr. 12 u. S. 174; Piper, Alt. d. Lit. S. 109 f.,Nachtr. S. 162—164 (Hs. A und B); Kelle, LG. 1, 44.305f.; Kögel, LG. 2,449—451, Grundr. 2S. 155f. — Erster Druck der Hs. A: J.Grimm, Über zwei entdeckte Gedichte aus der Zeitdes deutschen Heidentums, Abhandl. der Akademie der Wissenschaften in Berlin 1842 S. 2. 25,Kl. Sehr. 2,2 f. 28 (Hs. A); erster Druck der Hs. B: Massmann, Abschwörungsformeln (1839)Nr. 2, S.28—33. 68 und Faksimile III. Photograph. Faksimile von A bei Sievers, Das Hilde-brandslied usw., Halle 1872 (s. oben S. 116); Enneccerus 6. — Wiegand a. a. O. IV, 2, 246;Kattenbusch a. a. O. 2, 823 Anm. 17 u. 855 Anm. 80.
Hss.: A. Bibliothek des Domkapitels zu Merseburg Nr. 58, 9./10. Jh., dieauch die Merseburger Zaubersprüche enthält (s. oben S. 97). Das Tauf-gelöbnis befindet sich unter der Überschrift Intenogatio sacerdotis aufBl. 16a in dem ersten Bestandteil der Handschrift, der von Bl. la—21b reichtund von Bl. 2 an in angelsächsischen Buchstaben geschrieben ist. Der Inhaltjenes Teiles besteht aus einer Abhandlung über die Messe, Expositio missae,Bl. 2a—15b, und darauf einem Taufritual, 1 ) Bl. 16a—19b, das eben mit unsererFormel beginnt; den Schluß des Teiles, Bl. 20a—21b, bildet ein kleines,ebenfalls mit der Taufe zusammenhängendes lateinisches Stück. Dieser Teilwar also ursprünglich ein Handbüchlein zum praktischen Gebrauch fürGeistliche zum Verständnis und zur Handhabung des Meß- und Taufrituals.
B, eine ehemals Speierer Hs., jetzt verloren, nur in einer Abschrift vomJahre 1607 (oder etwas später) erhalten, die in ein Exemplar von GoldastsRerum Alem. Script., Francof. 1606, Bd. II S. 174, jetzt in der Kgl. Bibliothekzu München Germ. g. 37, eingetragen ist. 2 ) Auch in B folgt ein Stück aus demlateinischen Taufritual (die Exorzitationsformel). B hat starke Lücken, aber inder dritten Abschwörungsformel gibt sie den Text zum Teil vollständiger als A.
Die Sprache 3 ) von A. ai ist schon ei: heidene 6, heilagan geist 12,einan, einisse 14, heilaga 16; au ist noch erhalten: gilaubistu 8 usw.; germ. dist t; nt: nerienton 10, enti 6, inti 14, sunteöno 18, aber nd: indl 3. 5 (zwei-mal); It: geltom 5, aber ld: geldom 6; anl. th bleibt: them, thie 5, thrinisse 14,thumh 18, aber d: den 5 (zweimal); th ist inl. d: heidene 6, töde 20, un-holdun 1.3; ausl. Flexions-ra ist erhalten außer gelton 5, ebenso j in sunteöno18. Demnach ist der Dialekt wahrscheinlich rheinfränkisch (Wechsel zwischend und t im Inlaut) zwischen 800 und 820. Allerdings weist das Präfix for-,für- auf das Ostfränkische, vielleicht sind diese Fälle — forsahhistu 1. 3. 5,fursahu 2, fursahhu 4, forläznessi 18 — aus einer ostfränkischen Urformel(Fulda?), die auch dem as. Taufgelöbnis zugrunde lag, zurückgeblieben.
B hat mit ga-, za- und mit ua in zabluastrom 6 alemannische Merk-male bei fränkischem Dentalstand; au ist auch hier beibehalten.
1 ) Abgedruckt von Bezzenberger, Z. f. d. 3 ) MSD. 1 3 S. XV f. XIX ; Kossinna, ÜberPhil. 8, 216—226. die ältesten ostfränkischen Sprachdenkmäler
2 ) Massmann a. a. O. S. 28 ff. S.94L; Franck, Altfränkische Grammatik S.8.