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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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287
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B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 55. Die Taufgelöbnisse. 287

Zusatz in der dritten deutschen Antwort (Z. 68, von and uuordum bis sint}beruht auf zwei Gründen. Einmal wird statt des einfachen uuercum (= ope-ribus), das in der Frage vorgelegt wird, mit der alliterierenden zweigliedrigenFormel uuercum and uuordum *) geantwortet: das ist eine formale Erweiterung.Dann wird von Thunaer 2 ) bis sint auch der Inhalt verstärkt. Die traditionelleAbschwörung in der lateinischen Formel gilt dem Teufel, dem bösen Prinzipim christlichen Glauben. Aber' für die Auffassung der Germanen war diesedogmatische Vorstellung vom Teufel nur eine vage, die Pflicht der Absagebei der Bekehrung wird dem Bewußtsein damit eindringlicher und deutlichergemacht, daß der Schwörende seinen eigenen, ihm vertrauten und liebenGlauben verwünschen, daß er seine Götter verwerfen muß. 3 ) Durch diesenZusatz ist erst ein auf das Gemüt des Täuflings und auch der Teilnehmeran der feierlichen Handlung kräftig wirkender Abschluß des feierlichen Ge-löbnisses gegeben. Indes hatten auch schon lateinische Formeln die Ab-schwörung der Dämonen, angeli, der Genossen des Teufels, wofür ein Beispielbei Kelle, LG. 1, 44 u. 306 Z. 17; Martene 1, 118.

Gestört ist die Anordnung der Abschwörungsfragen, indem die dritte,diabolgeldae = pompis ZA, vor der zweiten, uuercum = operlbus Z. 5, steht,,was vereinzelt auch in lateinischen Formularen vorkommt (Martene I, 118.119, s. auch Zierden vor werchen, Wessobrunner Gl. u. B. II, MSD. Nr. 95Z. 28). Das fränkische Taufgelöbnis hat hier die gewöhnliche Reihenfolge.

Der Dialekt ist nicht rein altsächsisch, sondern es finden sich hochdeutscheSpuren, die von dem Mainzer Schreiber herrühren können: 4 ) d>t: sint 8,got 9. 10, gotes 12; k > ch: forsacho 2. 6, forsa'chistu 1; ks nicht zu ss assimi-liert: Saxnote 7. Die erhaltenen Flexions-m, allum 3. 4. 6, allem 7, 8 ) uuercum5. 6, uuordum 6, them unholdum 7 und die altertümlichen ae für schwaches e

') Die Formel wort und werc ist im Ags.,As. und Ahd. geläufig, vgl. Otto Hoffmann,Reimformeln im Westgermanischen S. 24 und60 (auch in den ags. Gesetzen); Sievers, He-liandS.466; Paul Schütze, Beitr. zur PoetikOtfrids S. 25. Erhabener Inhalt verlangt imgermanischen Stil ein besonderes Ethos desAusdrucks, hervorragende Begriffe werden inSynonyma und Variationen gekleidet, nicht nurin der epischen Sprache, sondern überhauptbei wichtigen, zur Volksüberlieferung be-stimmten Gegenständen, vor allem in solchender Rechtssprache. Die traditionelle Formellautet germanisch also umgekehrt wortumenti werkum. Der Grund, daß im Taufgelöbnisuuercum voransteht, liegt in dem Bestreben,den Wortlaut des vorgeschriebenen lateini-schen Textes möglichst unangetastet zu lassen,wonach zuerst uuercum (pperibus) übersetztwerden mußte und dann erst der Zusatz, uuor-dum, folgen konnte; ebenso im fränk. Tauf-gelöbnis uuerc indi uuillon Z. 3.

) Scherer, MSD. II 3 , 316, Z. f. d. Öster-reich. Gymnasien 18 (1867), 660 ff. u. Kl. Sehr.

1, 576 ff.; Wilmanns, Gott. gel. Anz. 1893,538. Über die Voranstellung Thunaers vor denhöchsten GottUuöden s. MSD. II 3 , 317; Kogel,LG. 2,448. Es bestand keine Rangstufe zwi-schen den beiden.

3 ) Das Reich des Teufels in germanischeAuffassung übertragen bilden die höheren undniederen Götter; unholda schw. f., böse Dä-monen, Hexen, sind sie vom Standpunkt desMissionars aus alle.

4 ) Das ist die am ersten sich darbietendeErklärung (s. Kogel, LG. 2,445). Ahd. Formenkönnten aber auch schon in dem Original ein-gestreut gewesen sein, da dieses doch wohlvon einem fränkischen Geistlichen aufgestelltund aus einem hochdeutschen Gelöbnis über-tragen war. Besonders das traditionelle for-sacho, dieselbe Form wie im fränkischen Tauf-gelöbnis, kann in diesem Falle ursprünglichsein. Über ahd. Formen in as. Denkmälernvgl. Behaghel, Beitr. 39,227.

5 ) Das Zeichen über dem e, das für Kor-rektur von ezua gehalten wird, kann auchbloß Vokalzeichen vor m sein.