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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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284 U. Dm Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Die Gegenstände der christlichen Glaubenslehre waren, wie erwähnt, inerster Linie das Pater noster und das Symbolum apostolicum. Mit derEinführung der Kindertaufe war ein Vertreter des Täuflings nötig, da dieserja selbst keine Handlungen vollziehen konnte. Dies ist der Pate (mhd. pate,aus lat. pater, = pater spiritualis, patrinus; das deutsche Wort ist mhd. gote,in der Kindersprache tote, vgl. Kluge, Etym. Wb. unter Pate und Gote).Zwischen dem Paten und dem Täufling besteht das innige Verhältnis derVaterschaft und Kindschaft, er ist sein Bürge der Kirche bezw. dem Priestergegenüber (dem calaupa purgeo, MSD. Nr. 54,13), er übernimmt statt seinerdie vorgeschriebenen Taufhandlungen und trägt die Verpflichtung, für seineErziehung im christlichen Glauben zu sorgen, wozu vor allem die Erlernungjener beiden Hauptstücke, des Vaterunsers und des Glaubensbekenntnisses,gehört. Der Pate muß beide auswendig wissen und wird vom Priester darübergeprüft. Bei dem Taufakt muß er als Vertreter des Täuflings das Glaubens-bekenntnis und die Abrenuntiationsformel sprechen.

Der christliche Unterricht war also von Anfang an eng mit der Taufeverbunden. In dem reich gegliederten Taufzeremoniell kommen für dieLiteraturgeschichte die symbolischen Handlungen nicht in Betracht, sondernnur die katechetischen Bestandteile, das sind das Vaterunser und das Glaubens-bekenntnis, und außerdem die Abschwörungsformel, Abrenuntiatio, mit dendaran sich anschließenden Glaubensfragen, welche vor dem eigentlichen Tauf-akt, dem dreimaligen Untertauchen, gesprochen wurden.

§ 55. Die Taufgelöbnisse. 1 )

Die einfachste Form, in der der Täufling das Christentum annahm, wardie Abschwörung seines alten Glaubens und das Bekenntnis des Christentums.Diese beiden Teile sind in unsern beiden Taufgelöbnissen 1. die Abrenuntiatio[diaboli], die Absage des Teufels, die Abschwörung; und 2. die Confessiofidei oder die Interrogatio, die Glaubensfragen. Abrenuntiatio und Confessiobestehen aus je drei Fragen, Tauffragen, des Priesters, auf welche der Täuflingbezw. sein Vertreter, der Pate, die vorgeschriebene Antwort gibt. Dieser Aktgehörte schon zum Zeremoniell der ältesten Kirche, die Abschwörung wurdeaber auch dann noch beibehalten, nachdem die Taufe der Kinder eingeführtwar, für die die Bedingungen einer Absage früheren falschen Glaubens janicht gegeben waren; wodurch ihr, wenn überhaupt irgendeine Bedeutung,nur mehr noch eine symbolische zukommen konnte. Die Stellvertretung nahmauch hier der Pate ein, der die Formeln anstatt des Kindes hersagen mußte.Auch in dem reich ausgebildeten römischen und daraus hervorgegangenenfränkischen Taufzeremoniell war die Abrenuntiatio ein besonders wichtigerBestandteil. Die Fragen mit den entsprechenden Antworten lauteten in der ein-fachsten Fassung 1. für die Abrenuntiatio: Abrenuntias Satanae? Abrenuntio.Et omnibus operibus ejus? Abrenuntio. Et omnibus pompis*) ejus? Ab-

') Vgl. die oben angeführten Werke von I 2 ) Unier pompae sind nach der lateinischen

Kattenbusch und Wiegand. | Übersetzung von des Chrysostomus Erklärung