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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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278 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Konsonanten. Dentale :d>t;t>zz,z bezw. 33, 3; p anl. th, inl. ausl. > d. Labiale:b bleibt; p ist zu ph (pf) bezw. ff, f verschoben, in Ip, rp, mp ist p zu ph {pf)oder / verschoben (wobei statt mph, mpf, mf, einige Male auch nph, npf, nfsteht), je nach den einzelnen Schreibern. Gutturale: g bleibt, k wird wohl zurSpirans inl. hh {ch, h), ausl. h verschoben, nicht aber zur Affrikata. Einzelnes:die 3. Person des geschlechtigen Pronomens lautet her (selten he) neben er,der N. Si. m. des Demonstrativpronomens (Artikels) hat die Formen mit undohne r, ther und thie (selten the); alte Formen sind jugiron, Komparativ zu jung(vgl. got. jähiza), Prät. forstuotun, ohne Nasal, zu stantan, Prät. ohne Nasalintfiegun neben Intfiengun (Sievers 2 S. XXX); giuuesso statt seltenem giuuisso,fair neben fiur, holön neben gewöhnlichem halon (Sievers 2 S.XLIX).

Die Lautgebung ist recht mannigfaltig, weil die einzelnen Schreiberoft ihre Sonderorthographie zur Geltung brachten. Die Untersuchung derSprache des Tatian besteht also im Grunde auf der Beobachtung der Laut-verhältnisse bei den einzelnen Schreibern. 1 ) Eine besondere Stellung nimmtder Schreiber von y ein, der viele alemannische Eigenheiten hat (u. a. anl. pfür b, f für pf, eo für io, oft schwaches a). Mit dem heutigen Fuldischenstimmt der Lautstand der Tatianübersetzung besonders in einem mundart-lichen Kennzeichen nicht überein, 2 ) nämlich in der Verschiebung von anl. p >ph(pf) und von mp>mph {mpf, mf), da hier heutzutage unverschobenes

P S ut -

Akzente als Längebezeichnung oder als Vokalzeichen (ohne Rücksicht

auf die Quantität, nur um den betreffenden Buchstaben als Vokal von der

konsonantischen Umgebung abzuheben) finden sich häufig. 3 )

Zufolge des Lautstandes ist als Zeit der Entstehung etwa das Jahr 830anzusetzen. Damals war aber Hrabanus Maurus Abt des Klosters, er istdemnach zweifellos auch der Veranlasser für die Übersetzung gewesen. Ausseiner Schule, aus seiner starken Anregung entstand also wie Otfrids ge-reimtes Evangelienbuch, so auch die prosaische Übersetzung von der Evan-gelienharmonie des Tatian.

Die Verfasserfrage 4 ) ist nicht gelöst. Die Übersetzung ist nicht überallgleichmäßig, in gewissen Teilen sind gewisse lateinische Worte verschiedenübersetzt. Das läßt auf verschiedene Teilnehmer schließen. Aber die Unter-schiede sind doch wieder nicht so stark, daß man mit völliger Sicherheiteinzelne Individualitäten in genau bestimmten Abschnitten ausscheidenkann.

1 ) Davon geht Sievers in der Lautlehreseiner Ausgabe aus.

2 ) Wrede, Z. f. d. A. 36,135 ff.; Braune,Lit. Zentralbl. 1892 Sp. 1772.

3 ) Sievers Ausgabe 2 S. XII. XLVIII; PaulSievers, Die Akzente in ahd. u. as. Hss. S. 14ff.

*) Steinmeyer, Z. f. d. Phil. 4, 474 ff.;Sievers Ausgabe J S. LXXLXXV; Wunder-lich, Z. f. d. Phil. 26,269 ff.; Wrede, Z. f. d. A.

37,297 Anm. 3; E. Arens, Studienzum Tatian ILMehrere Übersetzer? Z. f. d. Phil. 29,510531;Alfred Hillscher, Die Verfasserfrage im alt-hochdeutschen Tatian, Beilage zum Jahres-bericht des Kgl. Marien-Gymnasiums in Posen,Posen 1901; Friedr. Köhler, Zur Frage derEntstehungsweise der althochdeutschenTatian-übersetzung, Diss. Leipzig 1911.