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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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276
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276 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Hochdeutsch des neunten Jahrhunderts aus dem St. Galler Codex der Tatianischen Evan-gelienharmonie, nebst den entsprechenden Resten der Gothischen Übersetzung zum Gebrauchebey Vorlesungen hrsg., Stuttgart u. Tübingen 1827 (dazu J. Grimm, Gott. gel. Anz. 1828,641647u. Kl. Sehr. 5, 3539).

Hss-.T 1 ) G. St. Gallen Nr. 56, 171 (früher 172) Bl., fol, aus der zweitenHälfte des 9. Jahrhunderts. 2 ) Nach dem lateinischen Brief des Bischofs Viktorvon Capua (s. unten), den Übersichten der Canones und den Überschriftender 181 Kapitel unsrer Hs. beginnt mit S. 25 der Text. G ist die einzige er-haltene Handschrift und die maßgebende Quelle für den Text. Die Handschriftist von sieben Schreibern geschrieben, der Text selbst aber von sechs Schreibern(a hat geschrieben S. 2551 und S. 196-216; ß S. 52124 und S. 221;y S. 124164; d S. 165195 und S. 321342; e S. 216220; £ S. 221320und hat außerdem die ganze Hs. durchkorrigiert). Die Blätter sind zweispaltig,so daß der lateinische Text links, die deutsche Übersetzung rechts steht.

Geschrieben ist die Handschrift nicht in St. Gallen, sondern, dem Dialektzufolge, in Fulda. Wie sie von Fulda nach St. Gallen kam, ist unbekannt,vor dem 10. Jahrhundert war sie aber schon hier, da ein späterer, wohldiesem Jahrhundert angehöriger Korrektor S. 87, 5 das Wort hara, die ale-mannische Form von hera, eintrug.

B, verloren, befand sich einst im Besitz des niederländischen GelehrtenBonaventura Vulcanius (gest. 1615), der einige Bruchstücke in seiner Ab-handlung De litteris et lingua Getarum sive Gothorum, Lugd. Bat. 1597,veröffentlichte. Eine Abschrift von B, die etwa die Hälfte umfaßte (es fehlendie Kapitel 76152), kam 1653 in den Besitz des Franciscus Junius undmit dessen Nachlaß in die Bodleianische Bibliothek in Oxford. 3 ) B ist un-mittelbar aus G geflossen und also ohne textkritische Bedeutung.

P. Eine Anzahl von Sätzen aus dem deutschen Tatian stehen am Randevon Blättern der Pariser Hs. der altdeutschen Gespräche (s. oben S. 254) mitdarüber geschriebener lateinischer Interlinearversion. 4 ) Sie sind im 10. Jahr-hundert eingetragen und stimmen genau mit G überein, sind also wahr-scheinlich unmittelbar dieser Handschrift entnommen.

Zwei verlorene Handschriften sind bezeugt durch spätere Nachrichten:eine Pergamenthandschrift, ehemals in der Bibliotheca Palatina in Heidelbergund mit dieser in die Vaticana nach Rom gekommen, ist in einem hand-schriftlichen Katalog der Palatina verzeichnet. 5 ) Eine andere Handschrift istin dem Werke des Franzosen J. du Tillet, Recueil des roys de France, Paris1580, als in der Bibliothek des Kapitels von Langres befindlich erwähnt.

') Sievers' Ausgabe 2 S. XIXVIII.

2 ) Sc'herrer, Verzeichniß S. 2527.

3 ) Diese Abschrift ist die Grundlage fürdie erste Ausgabe des Tatian von Joh. Phil.Palthen; auf Palthens Abschrift und einerzweiten, anonymen Kopie von B beruhtdie Ausgabe von Scherz in Schilters The-saurus.

4 ) W. Grimm, Kl. Sehr. 3, 501; abgedrucktnach einer Abschrift von Suchier von Sievers,Z. f. d. A. 17, 71 ff. und in Sievers' Ausgabe 2S. 290 ff.

6 ) Bartsch, Germania 31,245 f. und Kata-log der Handschriften der Heidelberger Uni-versitäts-Bibliothek Nr. 333.