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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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275
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B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 53. Tatian. 275

gentium unmittelbar zusammen. Das letzte Stück, 5, steht direkt vor derAugustinischen Predigt. Die Anordnung war also wohl 1 ): Ev. Matthaei, Devocatione gentium, das Fragment unbestimmbaren Inhalts, Augustins Predigt,Isidor. Unter den Glossen des Murbacher Glossars Je sind einige, die ausdem Matthaeusevangelium und aus De vocatione gentium entlehnt sind. 2 )

Die verbreitete Ansicht, daß an dem Isidor und den Monseer Fragmentenmehrere Übersetzer tätig gewesen seien, ist widerlegt worden. 3 ) DerSprachgebrauch setzt einen einzigen Verfasser voraus. Matthaeus und dieAugustinische Predigt sind allerdings unfreier übersetzt als Isidor und Devocatione gentium; er mag den Isidor, als das schwierigste Stück, erst nachden andern verfaßt haben.

Karl der Große sorgte für die Pflege der Religion in ihrem ganzenUmfang, für die praktische Anwendung sowie für die theoretische Forschung.Das Volk mußte die einfachsten Elemente der Glaubenslehre lernen, aberdie christlichen Wahrheiten sollten auch wissenschaftlich ergründet werden.Alcuin war der Schöpfer dieser Wissenschaft im Reiche Karls. Die Über-setzungen des Isidor und der Monseer Stücke sind die Anfänge einerwissenschaftlichen Theologie in deutscher Sprache, die allerdingsvereinzelt bleiben wie so viele von Karls großen Anregungen. So gehendiese Denkmäler unmittelbar aus von den Bestrebungen des großen Kaisersund derer, die mit ihm an seinem Kulturwerke arbeiteten. Eine geschicht-liche Betrachtung dieser Übersetzungen führt also zu Lachmann zurück, derschon Alcuin als den geistigen Urheber dieser Kultur aufstellte (MSD. II 3 ,.350 f.), zu Müllenhoff, der von der Sprache aus diese Ansicht zu stützensuchte, und zu Scherer, der sie durch historische Gründe sicherstellte.

§ 53. Tatian.

Braune, LB. Nr. 16 u. S. 175 f.; Piper, Alt. d. Lit. S. 119125; Kelle, LG. 1,111 f. 347;Kögel, LG,2,524527, Grundr. 2 S. 154 f.; Steinmeyer, Ergebnisse S. 203 f. Ausgaben:Geschichte derselben in Sievers Ausgabe 2 S. XIII XVIII ; erste Ausgabe (nach der JuniusschenAbschrift der verlorenen Hs. B) von J. Ph. Palthen, Tatiani Alexandrini Harmonias Evangelicaeantiquissima Versio Theotisca u. s.w., Gryphiswaldiaj 1706, darauf beruht die zweite Ausgabenach B von J. G. Scherz in Schilters Thesaurus antiquitatum II, Ulmae 1728; erste Ausgabe derHs. G von J. A. Schmeller, Ammonii Alexandrini quae et Tatiani dicitur Harmonia Evangeliorum,Viennae 1841; Eduard Sievers, Tatian, lateinisch und altdeutsch mit ausführlichem Glossar,Paderborn 1872 (rez. von Steinmeyer, Z. f. d. Phil. 4,473478); zweite neubearbeitete Ausgabe,Paderborn 1892 (rez. von Kögel, Z. f. d. A. 37, Anz. 19, 235244; Wunderlich, Z. f. d. Phil.26, 269272 [dazu Sievers S.431]; W.B(raune), Lit. Centralblatt 1892,17701772). EinenTeil des Tatian, die Stücke aus dem Evangelium Matthaei, hatte Schmeller schon vor seinerAusgabe veröffentlicht: J.Andreas Schmeller, Evangelii seeundum Matthaeum versio Francicasaeculi IX., nee non Golhica saec. IV. quoad superest. Das Evangelium des h. Matthaeus im

') Nach Hench S. XXIV.

2 ) Holtzmann, Germ. 1,467 ff.; Kögel,Beitr. 9,328 ff.; Steinmeyer, Ahd. Glossen 4,2Anm.

3 ) Steinmeyer, Prager deutsche Studien8, a.a.O.; einen Verfasser nahmen schon vorSteinmeyer an Holtzmann, Germ. 1,465 und

Weinhold in seiner Ausgabe S. 92; mehrereVerfasser: Müllenhoff, MSD. II 3 S. XXIII(doch mit Vorbehalt); Scherer, MSD.II 3 ,350: sie alle (die Monseer Fragmente) müssen klär-lich, wenn nicht das Werk eines Verfassers, sodoch aus derselben Schule hervorgegangensein"; Kelle, LG. 1, 93.337 f.

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