274 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Matth. 28,19: Ite, docete omnes gentes (Mon. Germ. Epist. IV Nr. 110 S. 158Sp. 19 f.; Migne Nr. XXXIII, Bd. 100,189B), der Kaiser solle dem neuen Volketüchtige Prediger schicken (Mon. Germ, ebda S. 157 Sp. 22 ff.; Migne ebdaSp. 188B). Wie dieser Brief, so ist auch der Monseer Traktat auf die Heiden-mission gerichtet. Dieselbe Belehrung gibt Alcuin dem Erzbischof Arno vonSalzburg (Mon. Germ. Nr. 113 S. 163 ff.; Migne Nr. XXXVI, Bd. 100, 192 ff.;vgl. auch an Karl Mon. Germ. S. 176 Sp. 17ff.; Migne S. 207CD). — Sprachlichsind die alliterierenden Formeln zu bemerken: missalth enti manacfalt {mul-tiplex et varid) MSD. Nr. 59,1 Z. 2 f.; uuorto enti uuercho ([verborum] etoperum) ebda 2 Z. 2 f.; mihhil enti märi (bloß magnum!) ebda 4 Z. 43.
4. Bruchstück von S. Augustini Sermo LXXVI. 1 )
Der 76. Predigt Augustins liegt Matth. 14, 24 ff. zugrunde, vermischt mit16,13 ff. In der Ausdeutung der Predigt bezeichnet Petrus sowohl die Starken(Matth. 16,13 ff.) als die Schwachen (Matth. 14, 24 ff.) im Glauben, wie erdenn neben dem Apostelfürsten und dem Felsen der Kirche in der christ-lichen Symbolik doch wieder ein Bild der Kleingläubigkeit, der Schwächeist. Zu allen Zeiten war und ist es die Sorge der Prediger, die Unfestenzu stärken, damals aber, als Karl der Große dem Christentum erst festeFormen verlieh, war es die erste und wichtigste Aufgabe, den Glauben zuverkündigen, denn er war das Fundament der christlichen Lehre. So stelltauch Alcuin in jenen Briefen an Karl und Arno über die Avarenmission diePredigt über den Glauben an den Anfang des priesterlichen Wirkens: Illudquoque maxima considerandum est diligentia, ut ordinale fiat praedicationisofficium ff. (Mon. Germ. S. 158,15 ff.; Migne 100,189A), und speziell in demBriefe an Arno über die Avarenmission, wo er von der Glaubensschwächeder Neubekehrten spricht, gebraucht er Petrus als Beispiel sowohl für dieFurcht als für die Standhaftigkeit. Also hängt auch die Aufzeichnung derPredigt in der Monseer Handschrift mit den religiösen Erfordernissen derZeit zusammen.
5. Ein Bruchstück von etwa einem Dutzend Zeilen. 2 ) Der Inhalt istnicht mit Sicherheit festzustellen. Es scheint eine Ansprache des Geistlichenan die Gemeinde zu sein. Die Rede ist von der jungfräulichen Geburt undvon der Verkündigung des Engels; dann folgt eine Aufforderung zur Bittean Christus, den Sohn der Jungfrau, den in der Gottheit mit dem Vatergleichen, unter Berufung auf die Taufe Christi, seine Barmherzigkeit undGnade, um das ewige Leben. Das Amen am Schluß zeigt, daß das Bruch-stück hier endet.
Die Reihenfolge der einzelnen Bruchstücke ist nicht mehr mit vollerSicherheit festzustellen. Die Blätter des Ev. Matthaei hängen mit De Vocatione
l ) Abgedruckt bei Endlicher und Hoff-mann und bei Massmann (s. Hench S. 91 bis93); MSD. Nr. 60 u. II 3 , 348—353; HenchXXXV1I-XL.
2 ) Abgedruckt bei Endlicher und Hoff-mann und bei Massmann (s. Hench S. 93f.);.MSD II 3 , 348 f.; Hench XLI.