B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. §52. Monsee-Wiener Bruchstücke. 271
Alle Fragmente gehören ein und derselben Handschrift an, einem Cod.fol. des 9. Jhs., der einst im Besitz des Klosters Monsee war und später zuBüchereinbänden zerschnitten wurde.
Es befinden sich also jetzt in der K. K. Hofbibliothek in Wien 39 Stücke,in der K. Bibliothek zu Hannover 2 Stücke.
Die Handschrift ist am Anfang des 9. Jhs. in karolingischer Schrift sorg-fältig geschrieben, nach Hench S. X. XXI. XXIV von einer Hand (nach MSD.II 3 , 346 rührt der Isidor der Hs. von einem andern Schreiber her als dasübrige). Nach Scherer (MSD. a. a. O., s. auch Hench S. XXIII) fand die Ab-fassung in Monsee statt auf Anregung Hildebolds, des Erzbischofs von Kölnund Abts von Monsee (803—816), des Erzkapellans Karls des Großen. Esist eine Sammlung geistlicher Prosastücke und zwar mit dem lateinischenGrundtext auf der Rückseite jedes Blattes und der deutschen Übersetzungauf der Vorderseite des folgenden Blattes.
Sprache. 1 ) Die Monseer Handschrift ist die bairische Kopie einer älterenHandschrift, die im Dialekt des Pariser Isidor geschrieben war. Sie ist also dieUmschreibung eines mit fränkischen Bestandteilen gemischten alemannischenTextes ins Bairische.
Die Zeit der Abfassung der Handschrift, ca. 790—820, wird durchdie gleichen Erscheinungen erwiesen wie die im Pariser Isidor begegnenden:ai schon ei, au noch au, h erhalten in hl, hn, hr, hw, schließendes Fle-xions-/?z erhalten. Vokale: e als ö?, e vor r wie im Pariser Isidor; ö ist uo(144mal), seltener ö (24mal); Länge des Vokals wird sehr oft durch Doppel-schreibung angezeigt, langes e ist durch ae, ce, q bezeichnet; bairisch istNichteintritt des Umlauts bei a vor e und r -f- Konsonant, iu für eo (6mal)vor Labial und Guttural gegen eo des Pariser Isidor, z.B. siuhhan, doch 3maleo (leoban, hreofun, fleogente). Das Präfix ist ga- (184 mal) und ka- (84 mal),selten gha-, gi-, ghi-, ki-, gegen chi des Pariser Isidor; ant- (dafür 3mal in-) inVerbalkomposita. Konsonanten: die Dentalen stehen fast ganz auf bairischerStufe: d>t,th>d, seltener dh; die Schreibung zss, zs des Pariser Isidor ist nichtaufgenommen. Die Labialreihe dagegen ist weniger ins Bairische umgesetzt:b ist weitaus zum größten Teil beibehalten, viel seltener ist bair. p. Gutturale:Germ, k ist meist ch geschrieben, selten k, c; die Unterscheidung von sc vordunkeln, seh vor hellen Vokalen ist fast ganz beibehalten; dagegen nichtdie Trennung von g und gh, sondern entweder ist im Anlaut g beibehalten(331mal) oder zu k verschoben (106mal), im Inlaut steht g, im Auslaut c; ghist selten und nur im Anlaut, quh ist selten. Zur Flexion ist zu bemerken: die-in im G. D. Si. der schwachen Maskulina und Neutra sind beibehalten, weil sieja auch im Bairischen Regel waren, jedoch die alemannischen Pluralendungendes schwachen Präteritums -dm, -dt, -ön sind durch bair. -um, -ut, -un ersetzt. 2 }
!) Hench, Grammatical treatise, S. 95 bis142, und Glossary, S. 143—212 seiner Aus-gabe.
2 ) Die sicher 'gesprochenen' Wortformensind also dem Bairischen entsprechend auchgeschrieben, s. oben S. 265 Anm. 3.