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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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266 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

graphische Grundlage bildet wohl das System von Murbach, in das dannrheinfränkische Schreibungen aufgenommen wurden. Am meisten spricht füralemannische Herkunft des Denkmals der Gebrauch von -in als G. D. Si. derschwachen Deklination des Mask. und Neutr. und der schwache Plural Ind.Prät. auf -öm, -dt, -ön.

Die aus der Sprache angeführten Merkmale ergeben als Abfassungs-zeit etwa die Jahre 790810.

Inhalt. Der althochdeutsche Isidor ist eine Übersetzung des TractatusDe fide catholica contra Judaeos, auch genannt De nativitate Domini, passioneet resurrectione, regno atque judicio, des Bischofs Isidor von Sevilla (f 636).Der christliche Glaube wird in der Person Jesu verteidigt gegen den Un-glauben der Juden, indem die Beweisstellen für Christi Geburt, die Trinität,die Menschwerdung aus der Jungfrau, Leiden, Tod, Auferstehung, Himmel-fahrt und Gericht den prophetischen Zitaten des Alten Testaments entnommenwerden. Als Zweck seines Werkes gibt Isidor in der Vorrede an, daß dieAutorität der Propheten den Glauben stärken soll.

Die Isidorübersetzung ist eine ganz einzigartige Erscheinung in der alt-hochdeutschen Literatur. Kein Prosadenkmal weder vorher noch nachher biszu den zweihundert Jahre späteren Werken Notkers steht auf dieser geistigenHöhe. Noch hat sich die deutsche Literatur nicht losgerungen von dersklavischen Wiedergabe der Glossierung, noch arbeitet man mühsam daran,für die ganz neue Begriffswelt der theologischen Spekulation entsprechendedeutsche Worte zu finden, da entsteht ein Werk, welches die logischen Er-örterungen eines schwer zu verstehenden lateinischen Traktats fast fehlerlosund in klaren frei gebauten Sätzen wiedergibt, in welchen selbst die mannig-faltigen Beziehungen zur Geltung kommen, welche die innern Verhältnisse

saghida neben Formen der e/z-Konjug. Denfesten Punkt für die Dialektbestim-mung muß das gesprochene Wort ge-ben, nicht das geschriebene, denn die Ortho-graphie kann schwanken oder durch einefremdeSchreiberschule beeinflußt sein. Solchewirklich gesprochenen Formen sind nun nichtoft mit Sicherheit von den bloß orthographi-schen herauszuheben (über ahd. Orthographies. Burdach, Schrift und Sprachbewußtsein imAlthochdeutschen, Sitzungsberichte der kgl.preußischen Akademie zu Berlin 1908 Nr. 21),hier aber sind als wirklicheMundart-, nicht bloßals Schreibformen in Anspruch zu nehmen dieEndungen -in (-eri) und -dm, -6t, -6n. Ge-rade der Isidor zeigt die Macht der ortho-graphischen Systematisierung. Hiersind die in andern Denkmälern immer nur mitandern entsprechenden Lautzeichen vermischtvorkommenden dh, gh, sc (sdi) geregelt, eben-so der eigens erfundene Unterschied zwischenzs, zss und z, tz. Auch einheitliches p für bkann sich so erklären lassen, wenn d i e G r u n d -spräche die von Murbach ist, auffallend

aber bleibt dagegen dann uo, da man bei einerGleichmachung eher alemannisches ua, das inMurbach herrschte, erwarten sollte. Müllen-hoff bringt die Isidorübersetzung inZusammen-hang mitden wissenschaftlichen BestrebungenKarls des Großen, die von dessen Hofschuleausgingen.Dasldiom dieser unmittelbaren Um-gebung des Kaisers sei die karolingischeHofsprache und der Dialekt der rheinfränki-sche gewesen (zur karolingischen Hofspraches. Braune, Beitr. 1,39 ff.). Im Anschluß an Lach-mann verlegt er die Entstehung des Isidor indeninnern Kreis um Mainz" (MSD. VorredeS. XXIII ff., dazu S. XIV f.). Auch Kögel hältden Dialekt des Isidor für rheinfränkisch undbestimmt dann, wegen der Berührungen mitdem Alemannischen, ein diesem naheliegendesGebiet des Rheinfränkischen, das Lothringi-sche, speziell das Kloster Hornbach, als dieHeimat. Kauffmann dagegenhatteschonGerm.37,258wegen der ausgeprägt westfränkischenOrthographie" den Blick auf das Kloster Mur-bach in Oberelsaß gelenkt. Nutzhorn hat zu derBefestigung dieser Ansicht vieles beigetragen.