264 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
fallen zum Teil mit P zusammen (Hench, Isidor S. 50. 52. 54), enthalten aberandrerseits auch Stücke, die sich in P nicht finden.
C war einst in der Klosterbibliothek zu Murbach, ist aber verloren.Nachzuweisen ist diese Handschrift aus einigen Sätzchen, die in das MurbacherGlossar Je eingeschaltet sind. 1 )
Weder P noch M sind die Originalschrift, vielmehr gehen beide un-abhängig voneinander auf eine verlorene Grundhandschrift zurück.
P hat den ursprünglichen Dialekt des Verfassers überliefert, M dagegenist eine Umschrift des Dialekts der Vorlage ins Bairische. In beiden Hand-schriften ist der Text gut überliefert.
Die Sprache von P. 2 ) Der Pariser Isidor zeichnet sich aus durch eineaußerordentlich wohldurchdachte und geregelte Orthographie.
Vokale: a ist, abgesehen vom jüngeren Umlaut, einige Male nochnicht umgelautet. Germ, e ist e, wird aber ae, ce, q geschrieben vor r -f-Kons., aerdha u. a. Die Länge der Vokale wird in geschlossener Silbe be-zeichnet und zwar durch Doppelschreibung bei a, i, o, u, durch ce (q) fürlanges e. Die Diphthongierung von e steht auf der frühsten Stufe ea; ö istmeist schon zu uo diphthongiert (78mal), erhalten ist ö llmal; ai ist schonzu ei geworden, au aber noch als solches geblieben; eu ist schon iu ge-worden (2mal eu in der Verbindung euw. euuuih, hreuun), eo aber nochnicht zu io (dafür eu in himilfleugendetri); besonders bemerkenswert sinddie Präfixform ant- neben in-; die Schreibungen fyur, lyuzil, fyr-. DerUnterschied zwischen silbenbildenden und konsonantischen /, r, m, n ist nochgewahrt, z. B. N. Si. zeihhan, aber D. Si. zeihne.
Besonders im Konsonantensystem zeigt sich, daß der Verfasser dieSchreibung als eine wissenschaftliche Sache auffaßte. Denn in der Tat warja die Orthographie ein Teil der wissenschaftlichen Studien der Klosterschulen.Dentale: germ. d ist anl. d, inl. nach Vokalen d häufiger als t, aber Id, nd,rd, dr, im Wort- und Silbenauslaut t; t zur Spirans verschoben ist inl. zss,ausl. zs, als Affrikata inl. tz, ausl. z; p ist anl. dh, 3 ) inl. nach Vokal dh,seltener d, ebenso rdh häufiger als rd, aber Id, nd, im Silben- und Wort-auslaut nach Vokalen ist d häufiger als dh, aber rdh, nach /, n wechseln d,t, dh. Labiale: b ist anl. und inl. geblieben, im Wort- und Silbenauslaut zu p,im Wortauslaut 4mal ph (bileiph 3mal, screiph lmal) geworden (selten ist b);
') Holtzmann, Germania 1,467 ff.; KöGEL,Beitr. 9, 328 ff.
2 ) Holtzmann S. 96—151, GlossariumS. 152—251; MSD. II 3 S. XXIII—XXX; Wein-hold S. 60—96; Hench, Grammatische Dar-stellung S. 57—113, GlossarS. 115—194; Kö-GEL, Z. f. d. A. 37, Anz. 19,218—235; derselbe,Beitr. 9, 302 ff.; derselbe, LG. 2, 483—492;Kauffmann, Germania 37,255ff.; P. Diels, DieStellung des Verbums in der altern ahd. Prosa,Palaestra59, Berlin 1906; G. Nutzhorn, Mur-bach als Heimat der ahd. Isidorübersetzung
und der verwandten Stücke, Z. f. d. Phil. 44,265—320. 430—476.
3 ) Über dh vgl. MSD. 1 3 S. XXIV—XXVII ;Braune, Ahd. Gr. §166.167; Franck, Alt-fränkische Gr. §92—94; Henning, Über dieSanctgallischen Sprachdenkmäler S. 127 f.;Kögel, Beitr. 9,308—310; Friedr. Wilkens,Zum hochalemannischen Konsonantismus deralthochdeutschen Zeit, Leipzig 1891, S. 82(§119) ff.; Nutzhorn S. 435 f.; Meyer-Lübke,Romanische Gramm. 1,363.