262 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Die Übersetzung ist ganz äußerlich, rein mechanisch ohne Rücksichtauf den Sinn.
Justus Lipsius hat (1599) außer dem Ps. 18 aus Wachtendoncks Hs. nochca. 820 niederfränkische Wörter mit den zugrunde liegenden lateinischenWörtern ausgeschrieben (bezw. ausschreiben lassen), die ehemals als Inter-linearglossen über den Psalmen und Cantica der Handschrift standen, undzwar in alphabetischer Reihenfolge der deutschen Wörter. Das sind die jetztsogenannten Glossae Lipsianae, die Lipsiusschen Glossen. 1 ) DieLipsiusschen Glossen sind also nichts anderes als ein Teil der altnieder-ländischen Interlinearversion der Psalmen, ausgezogen aus der Wachtendonck-schen Handschrift und alphabetisch geordnet.
4. Altsächsischer Psalmenkommentar (Bruchstücke).
MSD. Nr.71 u. II 3 , 372—375; Piper, Alt. d. Lit. S.126; Kelle, LG. 1,103.342f.; Kögel,LG. 2,566—571, Grundr. 2 S. 159. — Erste Ausgabe von Hoffmann von Fallersleben, Ger-mania 11, 323 f. (unvollständig); Heyne, Kleinere altniederdeutsche Denkmäler 2 S. 60—63;Gallee, Altsächsische Sprachdenkmäler S. 219 ff. und Faksimilesammlung 9; Wadstein,Kleinere altsächsische Sprachdenkmäler Nr. 2 S. 4—15.121—123.
Hs.: zwei sehr vermoderte Pergamentblätter des 9./10. Jhs., gefunden1856 im Herzoglich Anhaltischen Archiv zu Bernburg, seit 1868 im Herzog-lichen Residenzschloß zu Dessau. Sie stammen aus der ehemaligen Frauen-abtei Gernrode am Harz. Die Heimat der Handschrift ist nicht Gernrodeselbst, da die Abtei erst 961—963 gegründet wurde, die Schriftzüge aberauf ein höheres Alter weisen. Als Entstehungsorte werden angenommen dasKloster Werden an der Ruhr, 2 ) also im westfälischen Gebiete, mit größeremRechte Halberstadt 3 ) im Ostfälischen.
Die Quelle ist ein lateinischer Psalmenkommentar, in welchem der Kom-mentar des Cassiodorius und das dem Hieronymus fälschlich zugeschriebeneBreviarium in psalmos zusammengearbeitet waren. Nahe steht diesem nichterhaltenen lateinischen Psalmenkommentar der in der Münchener Hs. Clm.3729 enthaltene Kommentar. 4 )
Die Bruchstücke umfassen den Kommentar zu Ps. 4,8—5,10. Sie sindin fortlaufendem Text geschrieben, nicht interlinear, ohne Beigabe des Textesder lateinischen Quelle.
(niederländ.); dagegen Jostes, Z. f. d. A. 40,190—192 (Hs. entstanden auf der thüringisch-sächsischen Grenze); wiederum dagegen vanHelten, Tijdschr. voor nederl. Taal-en Letterk.15,146—171.269, Cosijn, ebda S. 316—323,van Helten, ebda 16, 72—79 (altostnieder-fränk.); A. Borgeld, De oudoostnederfran-kische Psalmen, Klank-enVormleer, Diss. Gro-ningen 1899; van Helten in seiner AusgabeII. Teil (Die Grammatiken); s. ferner Braune,LB. S. 199; vgl. auch MSD. 1 3 S. XXII u. XXIX.') Lipsius' Exzerpte, jetzt in der Bibliothekzu Leiden, sind zuerst gedruckt von Haupt
in der Z. f. d. A. 13,335—348 (dazu Kollationvon P. J. Cosijn, Taäl-en Letterbode 6,1 ff.);dann bei Heyne S.41— 59, van Helten S.58bis 89.
2 ) Heyne a. a. O. Vorrede S. IX, ähnlichKögel, LG. a. a. O. S. 567. Daher wurde dasDenkmal früher auch 'Werdener Psalmenkom-mentar' genannt; Steinmeyer, Z. f. d. A. 40,Anz. 22, 279 schlägt vor 'Bernburg-DessauerPsalmenkommentar'.
3 ) Leitzmann, Beitr. 26,245—260.
■ 4 ) Steinmeyer, MSD. II 3 , 373—375.