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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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260 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

bei Aldhelm x ) und seinem Kreis. Ein Angelsachse wird also auch der Ver-fasser des lateinischen Carmen gewesen sein und damit tritt die deutscheÜbersetzung in die Reihe der Zeugnisse für den Kultureinfluß der Angel-sachsen auf die Anfänge der deutschen Literatur. 2 )

Der Inhalt ist: Preis Gottes und seiner Eigenschaften, Anrufung derHilfe Christi, des Geistes und der Jungfrau Maria.

§ 50. Die Psalmenübersetzungen.

Die uns erhaltenen ahd. bezw. as. Psalmenübersetzungen sind Interlinear-versionen.

Die Psalmen der Vulgata waren das wichtigste Unterrichtsmittel in denKlosterschulen und zwar für die lateinische Sprache und für den Gesang.Besonders auch waren sie Lektüre der Frauen. 3 ) Glossierte Psalmenhand-schriften sind zwar zahlreich (Ahd. Gl. 1, 512524), aber auch die einzigeumfangreiche Gruppe stand doch immer noch in keinem Verhältnis zu derBedeutung, die die Psalmen für das gesamte geistige Leben hatten. Dagegenwurden früh vollständige Übersetzungen angefertigt. Auch die Verdeutschungder Psalmen ist ein Erfolg der kulturellen Anregungen Karls des Großen.Die Admonitio generalis (vom Jahr 789) Can. 2 schreibt dem Geistlichen vor:Ut totum psalterium memoriter teneat (Boretius I S. 60). 4 )

1. Die alemannischen Psalmen (Bruchstücke).

Braune, LB. Nr. 13A u. S. 174; Piper, Alt. d. Lit. S. 125, Nachtr. S. 309 f. (Abdruck derMünchener Blätter); Kelle, LG. 1,103.342; Kögel, LG. 2,472477, Grundr. 2 S. 147. ErsteAusgabe von J. A. Schmeller, Beiträge zur Geschichte des Bisthums Augsburg, hrsg. vonA. Steichele, 2 (1852), 135 ff., und: Gelehrte Anzeigen, hrsg. von Mitgliedern der Kgl. bayr.Akademie der Wissenschaften Bd. 32 (1851) Nr.80; wieder abgedruckt durch Franz Pfeiffer,Germania 2, 98105; MOllenhoff, Sprachproben 3 S. 1820; Baechtold, Z. f. d. A.31,197f.

Vorhanden sind nur noch Bruchstücke ein und derselben Handschrift,die zu Büchereinbänden gedient hatten, und zwar: 1. ein und ein halbesBlatt in der Lyzeumsbibliothek zu Dillingen an der Donau (Baiern), Bl. 1enthaltend Ps. 107,613.108,1 5; B1.2:Ps. 113,1218.114,18. 2.zweiBlätter in der Kgl. Bibliothek in München, Cgm 5248,1, aufgefunden vonSchmeller, Bl. 1 enthaltend Ps. 123,17.124,15; Bl. 2: Ps. 128, 7. 8. 129,18.130,1.2. Die Handschrift ist im 9. Jahrhundert geschrieben, das Deutschemit roter Tinte. Die Sprache 5 ) ist alemannisch und gehört den zwei erstenJahrzehnten des 9. Jahrhunderts an {ei, aber au; 6 ua gegen 8 uo; 6 aus-lautende m gegen 10 n; hm anlautendem hl, hn, hr, hw ist geschwunden).Im alemannischen Gebiet, wahrscheinlich in St. Gallen (oder in Reichenau)

') Aldhelm s. oben S. 56.2 ) Schönbach a. a. O.i 3 ) Wackernagel, LG. I 2 , 134; Specht,Geschichte des Unterrichtswesens, RegisterS. 406 unter Psalm ff. Maria liest im Psalterbei der Verkündigung, Otfr. I, 5,9 f. (es ist dasbekannte, in der italienischen Renaissance-kunst oft dargestellte Motiv).

4 ) Psalterien, verzeichnet in einem Weißen-burger Bibliothekskatalog des 9. Jhs., s. Kelle1,103.342.

6 ) Caroline T. Stewart, Grammaticaltreatise on the f ragments of an Alem. translationof the Psalms, Bezzenbergers Beiträge zurKunde der indogerm. Sprachen 28,161191,dazu Steinmeyer, Berliner JB. 1904 S. 109.