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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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258
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258 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Hs.: Oxford, Bodleian. Bibl. Juri. 25, 9. Jh., dieselbe, welche die Junius-schen Glossen Ja, Jb, Je enthält. Die Hymnen sind von zwei Händen ge-schrieben (Hymn. 2226 von dem Hauptschreiber von Je). 1 )

Entstehungsort der Übersetzung ist das Kloster Reichenau, von welchemaus Murbach durch den heiligen Pirmin 726 mit Mönchen besiedelt wurde.Sprachlich gehört unser Denkmal zusammen mit den in derselben Hs. stehendenMurbacher Glossensammlungen Ja, Jb, Je. Den Sprachformen 2 ) und derSchrift zufolge ist die uns erhaltene Fassung am Anfang des 9. Jahrhundertsentstanden. Wahrscheinlich ist sie nicht die Reichenauer Originalniederschrift,sondern erst eine Kopie.

Reichenau besaß am Anfang des 9. Jahrhunderts eine nicht unansehnlicheBibliothek, in welcher auch deutsche Schriften sich befanden. 3 ) Es ist einKatalog dieser Reichenauer Büchersammlung erhalten, in welchem für dasJahr 822 die Notiz steht: De carminibus theodisece vol. I. Brevis librorumqui sunt in coenobio Sindleozes Auua (d. i. Reichenau) facta anno VIIIHludovici imperatoris, und in einem Verzeichnis, das vor 842 zusammen-gestellt ist, ausführlicher: In XX primo llbello continentur XII carminaTheodiscae linguae formata. In XX seeundo libello habentur diversipoenitentiamm libri a diversis doctoribus editi et carmina diversa addocendum Theodiscam. linguam. Unter diesen zum Unterricht im Deutschenbestimmten Carmina sind lateinische Gedichte zu verstehen, welche zumÜbersetzen aus dem Lateinischen ins Deutsche dienen. Solche für die Schuleeingerichtete Werke sind offenbar Interlinearversionen, und zu ihnen wirdauch die Interlinearversion der Hymnen gehört haben. In einem MurbacherKatalog 4 ) ist eine fast gleiche Aufzeichnung enthalten: De carminibus theo-disca lib. I, wonach also auch für Murbach ein Besitz ähnlicher Handschriftenbeglaubigt ist, und es ist wahrscheinlich, daß zu diesen eben unsere Mur-bacher Hymnenhandschrift gehörte.

Die Hymnen des Ambrosius (340397), des Bischofs von Mailand,genossen in der Kirche ein sehr großes Ansehen, denn mit ihnen beginntdie volkstümliche, christlich-lateinische Lyrik des Abendlandes. Unter demNamen 'ambrosianisch' gehen viele Hymnen, die in seiner Art und seinemGeiste gedichtet, aber nicht von ihm selbst verfaßt sind. Echt sind von denunter seinem Namen gehenden nur vier.

In unserer Handschrift sind 26 Hymnen vertreten (bezw. 27, da XXV inzwei Stücke, XXVa und XXVb, zerfällt). Die Übertragung, mechanisch Wortfür Wort ohne Rücksicht auf den deutschen Satzbau, ist grammatisch richtiger

') Inhalt und Geschichte der Handschrift:Sievers S. 110; Steinmeyer, Ahd. Gl. 4,588bis 590; ferner s. die Murbacher Glossen, obenS. 247 f.

2 ) Sievers S. 1126; A. Socin, Straß-burger Studien 1,266 ff.; Kögel, Beitr. 9,301 ff.

s ) Neugart, Episcopatus ConstantinensisI p. 539.550; Gvstavvs Becker, Catalogi bi-

bliothecarvm antiqvi, Bonnas 1885, s. RegisterS.328; Holtzmann, Germania 1,473.11,31;Sievers S.3ff.; MSD. II 3 , 355; Bartsch, Ger-mania 32, 127 f. (Auszug aus Becker, Catalogi);Kelle a. a. O.; Kögel a. a. O.

4 ) Jean Senebier, Catalogue raisonnedes manuscrits de Geneve, Genf 1779, S. 74 ff.(Sievers S. 106).