256 II- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Reisen, gefragt wird, wer und woher bist du (Ruodl. ed. Seiler I, 73 ff.) [demVerweigern der Antwort entsprechen die ausweichenden Redensarten derKasseler Glossen 12,40—46]; der Knecht hat für die Rüstung und Kleidungzu sorgen, = Ruodl. I, 20 ff.; die Bewirtung Ruodliebs VII, 1 ff.; die Buhlereides Roten VII, 85 ff.
§ 47. Interlinearversion der Benediktinerregel. (B bezw. BR, bei Graff K
[= Kero]).
Braune, LB. Nr. 3 u. S. 172; Piper, Alt. d. Lit. S. 104—109, Nachtr. S. 22—162 (genauerAbdruck); Kelle, LG. 1,104f. 343; Kögel, LG. 2, 465—468, Grundr. 2 S. 140; Steinmeyer,Ergebnisse S. 218. — Erste Mitteilung bei Goldast, Alemannicarum Rerum Scriptores, Francof.1606, tom. 2,1 pag.94ff.; erste Ausgabe von Scherz in Schilters Thesaurus antiq. teut., Ulm1726, tom. 1, pars 2 pag. 13ff., dazu Graff, Diutiska 3,198—209; Hattemer, Denkmahle desMittelalters 1,15—130. 3, 617 f., dazu Kollation von Steinmeyer, Z. f. d. A. 17,431—448.
Hs.: Stiftsbibliothek in St. Gallen Nr. 916,') 172 S., 9. Jh.; der deutscheText ist auf S. 2—159 von mehreren Händen geschrieben. 2 ) Eine zweite,nunmehr verlorene St. Galler Hs., Abschrift der uns erhaltenen, benutzteGoldast (Auszüge daraus in dessen Alemannicarum Rerum Scriptores a. a. O.). 3 )Eine dritte, ebenfalls St. Galler Hs., die in deutscher Übersetzung nur den Pro-log enthielt, ist 1768 im Kloster St. Blasien, wohin sie entlehnt war, verbrannt. 4 )
Die deutsche, über dem Text stehende, mechanisch genaue aber oftfehlerhafte Übersetzung ist anfangs vollständig, dann, von Kap. 15 an, lücken-haft, gibt endlich nur noch einzelne lateinische Wörter wieder (also nur nochInterlinearglossen) und hört in der Mitte von Kap. 67 ganz auf, so daß dieKap. 68—73 ohne Verdeutschung sind.
Der deutsche Text ist, wie Schreibfehler wahrscheinlich machen, nichtdie erste Abfassung, sondern Abschrift eines vorhergegangenen Entwurfs.
Die Sprache 5 ) ist alemannisch. Zur Zeitbestimmung der Niederschriftkönnen folgende Erscheinungen dienen: ai ist schon meistens ei, au dagegennoch erhalten; a ist noch einige Male unumgelautet; m im Auslaut meistensschon n; h im Anlaut vor Konsonanten, hl, hn, hr, kw, besteht noch öfter.Diese Verhältnisse weisen auf ca. 810—820 als Abfassungszeit der Handschrift.
Die Orthographie ist besonders dadurch von Bedeutung, daß hier zumerstenmal die Längen der Vokale prinzipiell durch Doppelschreibung be-zeichnet sind. Die Worte des lateinischen Textes sind oft, aber mit denallgemein üblichen Zeichen, abgekürzt; auffallend sind einige Kürzungen auchbei deutschen Worten, indem dabei nur die Endungen über dem lateinischen
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Wort geschrieben sind, z. B. dominus S.46,26, = [truh]tin;propheta S. 52,19 f.,= [vvizajgo. Es sind das Fälle, wo die Ergänzung als leicht vorausgesetzt
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werden konnte bei Worten, die häufig vorkommen oder, wie bei sextus, =[sehsjto, schon aus dem lateinischen Text verständlich waren.
J ) Scherrer, Verzeichniß der Hss.Stiftsbibliothek von St. Gallen S.339'f.
2 ) Steinmeyer, Z. f. d. A. 17,432 f.
3 ) Singer, Z. f. d. A. 36,89—94.
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4 ) Singer, Z. f. d. A. 28, Anz. 10, 279.
5 ) Seiler, Beitr. 1,402—485. 2,168—171(Nachtrag); R. Henning, Über die Sanct-gallischen Sprachdenkmäler, QF. 3,153—156.