250 H. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
Übersetzung. Schon innerhalb der Glossen selbst, 9,17—19, sind solcheAlltagswendungen. Es wird gefragt nach Namen und Heimat 12,24—38; Zweckder Reise 39—46, die Antwort ist die Höflichkeitsbezeugung: um die Gunstdes Redenden zu haben 47—51; ob die Worte des Fragenden verstandenwerden ? 52—56; weitere Höflichkeitsphrasen: gebiete, ich werde es tun 57—66.Der Abschnitt 12, 67—13,22 enthält psychologische Begriffe, zuerst aus demGebiete des Intellekts, sapiens homo et stultus, 12, 67—13,11; dann aus demdes Willens und der Ethik, 13,12—22. Sapiens und stultus sind schon Gegen-sätze in Isidors Etymologien X, 240. 246 und im Voc. S. Galli wird mit sapiensein neuer Abschnitt eingeleitet (Ahd. Gl. 3, 3, 22); also auch hier immer über-liefertes Wortmaterial. Nun aber sind die Worte sapiens und stultus durchein Beispiel näher erläutert, das eine persönliche Note trägt: die Welschen(Romani) sind töricht, klug sind die Baiern. Der Verfasser stellt sich damitin bewußtem Volksgefühl als Baiern den Welschen gegenüber. Es muß einaltes Sprichwort gewesen sein, eine Volksspötterei, die wohl nicht nur vonden Baiern gegen die Welschen, sondern mit veränderten Volksnamen auchbei andern Stämmen gegenseitig ausgespielt wurde. 1 )
Der umfangreichste und verbreitetste Typus sachlich geordneter Glossareist Heinrici Summarium (Ahd. Gl. 3, 58—350), das aber erst in mittelhoch-deutscher Zeit ausgearbeitet wurde. Die ältesten der zahlreichen Handschriftenstammen aus dem 12. Jahrhundert und weisen auf Mitteldeutschland als Ent-stehungsgebiet. Es ist eine Enzyklopädie des gesamten Wissens auf Grundlagevon Isidors Etymologien in zehn (elf) Bücher geteilt bezw. in sechs umgeordnet.
Zum größten Teil alphabetisch geordnet ist das
Trierer Vocabular.
Ahd. Gl. 1,314. 2,334.590. 3,432.457 ff. 570ff. 4,195—211. 246.330; Pekka Katara, DieGlossen des Codex Seminarii Trevirensis R. III. 13, Textausgabe mit Einleitung und Wörter-verzeichnissen, Helsingfors 1912, dazu H. Suolahti, Neuphilologische Mitteilungen, hrsg. vomNeuphilologischen Verein in Helsingfors 1912, 199—207.
Hs.: Bibliothek des Priesterseminars in Trier R. III. 13, Beschreibung:Ahd. Gl. 4, 620 f.; bei Katara S. 4 ff.
Das Trierer Vocabular ist zum größten Teil alphabetisch geordnet, nur gegenEnde kommen, meist nur lateinische, Glossen zu bestimmten Texten, Bibel,Prudentius, Hieronymus u. a. Die deutschen Wörter sind mittelfränkisch, verein-zelt niederfränkisch und ganz selten angelsächsisch. Entstanden ist die Samm-lung in verschiedenen Schichten vom 9. bis zum Anfang des 11. Jahrhunderts.
7) Andere Grlossensammlungen.
Unter der großen Zahl von Glossenwerken können nur die wichtigstennoch hier angeführt werden, wobei vor allem diejenigen zu berücksichtigensind, welche wissenschaftliche Bearbeitung gefunden haben.
>) Ähnlich Wolfram im Parzival 121, 7 ff.,vgl. W. Grimm, Abhandl. der Berl. Akad. a. a. O.S. 485 u. Kl. Sehr. 3, 391 f.; Martin im Kom-
mentar zu seiner Parzivalausgabe zu der Stelle,Bd. 2,123.