248 n. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhundert.s
Heiligenlegenden. Die Sprache von Ja ist, wie die von Jb, die von Reichenau,doch gemischt mit Murbacher Merkmalen und zwar stärker als Jb.
Jb, auf Bl. 87b—107b der Hs. Jun. 25, abgedruckt Ahd. Gl. 1, 271—295.2, 260. 314—318; alphabetisch geordnete Glossen (Inhalt s. Ahd. Gl. 4, 589).
Je, auf Bl. 118a—121b der Hs. Jun. 25, abgedruckt Ahd. Gl. 4,1—25, istein Auszug aus den sog. Affatimglossen mit deutscher Übersetzung (Affatim'-Glossen ist dieses lateinische alphabetische Wörterbuch genannt, weil es mitdiesem Worte beginnt). Der Dialekt ist der von Murbach.
Ein weitverbreitetes alphabetisches Wörterbuch waren die GlossaeSalomonis, entstanden gegen Ende des 9. Jahrhunderts (abgedruckt Ahd.Gl. 4, 27—174; Graff, Diutiska 3, 411—421; s. Kelle, LG. 1,185. 370), genanntnach dem Bischof Salomo III. von Konstanz, 1 ) auf dessen Befehl es abgefaßtworden sein soll (glossae iussu falomonis digestae, glossae a falomonecollectae, Graff a. a. O. S. 411). Auch diese Zusammenstellung ist nicht vondeutschen Mönchen besorgt, sondern diese übertrugen nur eine vorhandenelateinische Wortsammlung ins Deutsche, die zur Erklärung von klassischen undKirchenschriftstellern diente (Virgil, Cicero, Hieronymus, Isidor, Orosius u. a.).
ß) Sachlich geordnete Glossare (Realglossare).
Vocabularius Sancti Galli.
Braune, LB. Nr. 1,2 u. S. 171; Kelle, LG. 1,45f. 306; Kögel, LG. 2, 437—443; Stein-meyer, Ergebnisse S. 207 f.; Lachmann, Specimina lingvae francicae, Berolini 1825, S. 1;Hattemer, Denkmahle des Mittelalters 1,5—14. 3, 617, Faks. 1 Taf. II, dazu Sievers, Z. f. d. A.15,120; Rud. Henning, Über die Sanctgallischen Sprachdenkmäler bis zum Tode Karls desGroßen, QF. 3, Straßburg 1874, I. Kapitel, S. 1—94 (Überlieferung, Ordnung und Quellen,Geschichte des Textes, der ursprüngliche Text, Grammatik des Vocabularius).
Hs.: Stiftsbibliothek in St. Gallen Nr. 913, 2 ) kl. 8«, 206 S., wahrscheinlichnoch im 8. Jh. geschrieben, eine 'kleine theologische Enzyklopädie', enthältals letztes Stück auf S. 181—206 den Vocabularius Libellus S. Galli, abgedrucktAhd. Gl. 3,1—8.
Geschrieben ist die Handschrift jedenfalls in St. Gallen, aber sie ist nichtdas Original selbst, sondern erst Abschrift. Ob St. Gallen auch der Ent-stehungsort des Glossars ist, ist fraglich, da Formen und besonders Wörtervorkommen, die für den St. Galler Dialekt des 8. Jahrhunderts nicht belegtsind. 3 ) Jedenfalls ist die Sprache der Handschrift, abgesehen von Neuerungen,sehr altertümlich. Entstanden wird das Original etwa um 750 sein.
Das zugrunde liegende lateinische Wörterbuch war eine Zusammen-schweißung verschiedener Bestandteile; was in unserm deutschen Text anden Vorlagen etwa geändert oder ausgelassen wurde, ist bis jetzt nicht ent-schieden. Der Hauptsache nach schöpfte der Verfasser des Originals wohlaus Isidors Etymologien (aus Etym. 1, 1—7,20), der maßgebenden lexiko-
J ) Wattenbach, Geschichtsquellen 7 1,273 f. 441.446; Ebert 3,154—160; Manitius,Register S. 758.
2 ) Scherrer, Verzeichniß der Handschrif-
ten der Stiftsbibliothek von St. Gallen S. 331bis 333; Henning a. a. O. S. 11—13.
3 ) Kögel, LG. a. a. O. findet Bairischesund Fränkisches in der Sprache.