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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
Entstehung
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246 H- Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Die Entstehung dieses ältesten wissenschaftlichen Denkmals inder deutschen Literatur vollzog sich derart, daß über ein schon vorhandeneslateinisches alphabetisches Wörterbuch, das schon vorher im Gebrauch ge-wesen sein muß, die deutschen Übersetzungen geschrieben wurden, denndaß das Original interlinear abgefaßt war, ist noch an der ältesten Hs. (Pa)zu sehen. Die Arbeit des oder der Verfasser bestand also nicht auch imSammeln der Wörter, sondern nur in der Übersetzung der schon vorliegendenWörter. Diese ist sehr mangelhaft, viele lateinische Wörter sind falsch ver-standen und besonders in der Wiedergabe der Synonyma bezw. erklärendenWörter, die im lateinischen Text dem alphabetischen Grundwort beigegebensind, zeigt sich die Hilflosigkeit des deutschen Bearbeiters. Die Handschriften(abgedruckt Ahd. Gl. 1, 2270) sind:

a) Pa, Paris, Bibl. Nationale 7640, 8./9. Jh. (Beschreibung der Hs.: Ahd.Gl. 4, 595 f.), geht nur bis zu dem Buchstaben I. Der Dialekt ist stark bairischmit alemannischen Bestandteilen. Die Sprachformen sind sehr altertümlichund weisen auf die zweite Hälfte des 8. Jhs. Die Glossen sind hier nochinterlinear, während sie in den andern Handschriften nebengestellt sind.

b) K (oder gl. K), die eigentlichen sog. Glossae Keronis, St. GallenNr. 911, Ende des 8. Jhs. (Beschreibung: Scherrer, Verzeichn. S. 329, s. auchAhd. Gl. 4,459); zerfällt in zwei dialektisch verschiedene Teile: Ka, von Ahd. Gl.1, 1, 2 bis 45, 9, alemannisch; Kb, alemannisch mit fränkischen Bestandteilen.

c) Ra, Reichenauer Hs., Reich. CXI in Karlsruhe, 10. Jh. (Beschreibung: Ahd.Gl. 4, 401403; Die Handschriften der Großherzogl. Badischen Hof- undLandesbibliothek in Karlsruhe. Deutsche Handschriften von Theod. LänginS. 7476). Der Dialekt ist alemannisch mit Spuren des ursprünglich bairischenOriginals. Ra ist Pa und K gegenüber eine Kürzung und ändernde Be-arbeitung des Originals.

2. Das hrabanische Glossar.

Den Namen hat das Glossar nach Hrabanus Maurus, dem es fälschlichzugeschrieben wurde. Das Original ist um 790, ebenfalls wie das keronischeGlossar, in Baiern entstanden. Es ist eine stark verkürzende, das Wesentlicheheraushebende, zum Teil auch bessernde Bearbeitung des keronischen Glossars.Erhalten sind davon vier Handschriften, ebenfalls in bairischer Mundart, 1 )eine vollständige (a) und drei fragmentarische (ß, y, 6).

a) R, Wiener Hs., aus Schloß Ambras bei Innsbruck, 9. Jh. (Beschreibung:Ahd. Gl. 4, 628 ff.), abgedruckt Ahd. Gl. 1, 3270.

ß) (Rx bei Graff), Wiener Hs. Nr. 482, 9. Jh., enthält den Anfang deshrabanischen Glossars auf S. 87a (Beschreibung: Ahd. Gl. 4, 635), abgedrucktAhd. Gl. 1,311.

') Karl Heinemann, Über das hrabanischeGlossar, Halle 1881 (über das Verhältnis deshrabanischen Glossars zu dem keronischenS.448; grammatischer Teil S.4992); Lud-

wig Wüllner, Das hrabanische Glossar unddie ältesten bairischen Sprachdenkmäler. Einegrammatische Abhandlung, Berlin 1882.