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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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B. Die Literaturdenkmäler. 2. Prosadenkmäler. § 46. Althochdeutsche Glossen. 243

Wörter oder Sätze, welche den Handschriften interlinearisch oder am Randebeigefügt oder auch in besondere Verzeichnisse geordnet sind' (J. Grimm inseiner Besprechung von Hoffmanns Ahd. Glossen, Gott. gel. Anz. 1826, 1585und Kl. Sehr. 4, 403). Der Zweck der Glossen ist ein rein schulmäßiger: eswerden lateinische Worte ins Deutsche übersetzt, zunächst um lateinischeWörter zu lernen oder um lateinische Texte verstehen bezw. leichter ver-stehen zu können. Dann aber schöpften die Mönche aus den Glossen-sammlungen und Wörterbüchern auch ihren Sprachschatz, wenn sie selbständigeWerke verfaßten. In den Glossen liegen die Anfänge der deutschen Philo-logie, die Lexikographie und Wortkunde ist somit ihr ältester Zweig. In solchunermüdlich fleißiger Arbeit ist der christlich-romanischen Wissenschaft imDeutschtum der Boden bereitet worden. Die Glossenliteratur aber ist nichtauf die Anfänge philologischer Tätigkeit beschränkt, sondern sie erstrecktsich von der Mitte des achten bis ins letzte Drittel des fünfzehnten Jahr-hunderts, als nach Erfindung der Buchdruckerkunst methodisch angelegteWörterbücher abgefaßt und gedruckt wurden. 1 )

Die Glossen und Glossensammlungen sind außerordentlich wichtigehistorische Denkmäler nicht nur für die Sprache allein, sondern für dasweitere Gebiet der Kulturgeschichte. Der ganze Wortschatz zusammen gibtuns einen großen Ausschnitt aus dem Kenntnisbereich der althochdeutschenZeit. Von hervorragendem Interesse dabei ist die Beobachtung, wie diefremden, die römischen und christlichen Begriffe im deutschen GeisteslebenAufnahme gefunden haben, denn eine Fülle neuer Ideen wurde aus dergeistlichen Und klassischen Literatur dem germanischen Bewußtsein neu zu-geführt. Endlich können wir aus ihnen das wissenschaftliche Material deralthochdeutschen Klosterbildung erschließen, denn die glossierten Werkewaren auch die gelesenen und die Häufigkeit der Glossierung läßt die Wert-schätzung erkennen, die ein Werk in der Wissenschaft der Zeit besaß. Amhäufigsten glossiert worden ist die Bibel (Ahd. Gl. 1, 299707 das Alte Te-stament, 708800 das Neue Testament), unter den nichtbiblischen geistlichenSchriften sind am stärksten vertreten die Canones (Gl. 2, 82152), die WerkeGregors des Großen (Cura pastoralis, Dialoge, Homilien, Moralia in Job,Gl. 2,162322), besonders auch die Werke des Prudentius (Gl. 2, 382596und Steinmeyer, Z. f.d. A. 16,1109), dann Bibelkommentare, Kirchenväterund Kirchenschriftsteller, Legenden; von den klassischen Dichtern nimmt inder Glossenliteratur Virgil die erste Stelle ein (Gl. 2,625727 und Steinmeyer,Z. f. d. A. 15,1119. 16,110 f.; zu den vorhergehenden Werken aus den Ahd.Gl. treten dann noch die Nachträge Bd. 4, 250370).

Die Glossographie stammt, wie alle Wissenschaft, aus dem Altertum.Von dem sinkenden Römertum nahmen sie die Iren, dann die Angelsachsen

') V. Raumer, Geschichte der germani-schen Philologie S. 83 ff.; Paul in Pauls Grundr.1 2 , 23 f.; L. Diefenbach, Glossarium latino-

germanicum mediae et infimaeaetatis, Franco-furti a. M. 1857 und Novum Glossarium lat.-germ., Frankfurt a. M. 1867.

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