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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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237
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B. Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. §43. Aus der St. Galler Rhetorik. 237

nun führt er Zitate an, lateinische und deutsche, und zwar für die beidenAbfassungsarten, sowohl für die sentenzenhafte als für die individuelle. AlsKlangfigur für die Sentenz gibt er den allgemeinen Erfahrungssatz:Söse stiel snellemo pegägenet ändermo,so uuirdet sltemo firsnlten sciltrietno,für die individuelle Darstellung:

Der heber gät in litun, tre'git sper in sitiin:sin bald ellin neläzet in uellin.

Die gleichklingenden Silben, welche hier die Ursache des Ergötzenssind, indem sie mit unähnlichen abwechseln und einen angenehmen Gleich-klang und eine harmonische Mannigfaltigkeit bilden, sind in der Sentenz:So und se, snel und snel-, ga- und ge-, uuir- und fir-,- und seil, unddie Reime rrio . . . mo . . . iemo . . . iemo; in dem Ebervers: Der und -ber,in und in, sin und -lin und lin, dazu noch mit Vokal i die Reime litun:situn, ellin: vellin.

II. Betraf die vorhergehende Lehre die Klangfiguren, so wendet sich dieAbhandlung nun zu den Sinnfiguren und zwar zur Dianoia, speziell zurHyperbel. Das deutsche Beispiel dafür sind die weiteren Verse aus demEbergedicht Imo sint fäoze usw.

Es ergibt sich also für die deutschen Verse folgendes: A. Die erste Gruppe(Söse snel. . .) ist eine Sentenz, ein Sprichwort, 1 ) dessen Gegenstand demHeldenleben entnommen ist (epische Ausdrücke sind snel als Epitheton fürden Helden, firsniten, sciltriemö). Dazu stimmt auch die stilistische Form,denn sie ist bestimmt durch die Korrespondenz so . . . so, gerade wie in denSprichwörtern, MSD. I 3 S. 58 Nr. 9.10 und S.59 Nr. 9b. 10b. 12.

B. Die zweite und dritte Gruppe (Der heber. . . und Imo sint. . .), dieEberverse, gehören zusammen, sie sind episch, erzählend und schildernd,und dementsprechend ist auch die rhythmische Sinnesgliederung in A und Bverschieden. 2 ) In dem lebhaften Stil des Sprichworts sind die Halbzeilenmonopodisch gebaut, in dem epischen vom Eber aber dipodisch; dazu habenv. 25 und 27 Stabreim.

Über den Ursprung der Verse vom Eber ist bis jetzt nichts Sicheresermittelt. So wie sie vorliegen, bilden sie ein abgeschlossenes Ganze, dassich in dieser Form nicht leicht in eine fortlaufende Erzählung einreihenläßt. Auch das Präsens historicum, in welchem die Schilderung geht, würdenicht in den Erzählerstil eines deutschen epischen Gedichts passen. 3 ) Dieersten Worte führen sofort in die Handlung ein, welche aus v. 1 und 2 besteht(== Str. 1), v. 3. 4. 5 (= Str. 2) enthalten die Begründung von v. 2, indem siedie Stärke des Tieres ausmalen. Das Stück ist also vollständig, wenigstensfehlt nicht viel am Schluß. Es ist eine kleine Tierszene, die, wie v. 1 zeigt,

') Lachmann bei Schade, Germ. 14, 46; I 2 ) Metrik: Habermann S.59-65.150-156.

v. Hörmann S. 13. 3 ) MSD. II 3 ,131 f.