B. Die Literaturdenkmäler. 1. Poetische Denkmäler. § 39. De Heinrico. 231
1872, S. 76—78, und nachher Ernst Mayer, Hist. Vierteljahrsschrift 2 (1899),517 f., dazu Steinmeyer, Berliner JB. 1899 S. 66; Uhl, Z. f. d. Phil. 33, 247).Seelmann (Jahrb. d. Vereins f. niederd. Sprachforschung 12,1886,75—89, dazuBd. 23,1897, 94—99) gelangt ohne sachlich gegebene Gründe zu dem Reichs-tag von Augsburg 952 (vgl. dazu Kelle a.a.O. S.376f., Steinmeyer, MSD. II 3 ,105 u. Berliner JB. 1898 S.73ff.). Joseph (Z.f. d. A.42,197—217, dazu Stein-meyer, Berliner JB. a. a. O.) stimmt für 956 bezw. 965. In Kögels Darstellung,Grundr. 2 S. 127 f., sind die Ansichten von Joseph und H. Meyer zusammen-gefallen. Steinmeyer, MSD. II 3 , 106, zweifelt an der Beziehung zu Otto I. unddessen Bruder und weist auf die Verbindung zwischen Otto III. und Heinrich II.dem Zänker (Zug nach Brandenburg 992) hin. Ihm schließt sich, mit einigenModifikationen, Priebsch an (Deutsche Handschriften in England 1, 26 f.). Injeder Beziehung abzulehnen ist, schon der Methode wegen, die Begründung,die J. R. Dieterich Z. 47,431—446 seiner Annahme gibt, daß das Gedicht aufdie Belehnung Heinrichs II. des Zänkers durch Otto II. (auf dem Reichstag zuWorms 973) gehe.]
Aufbau und Stil. Das Gedicht ist folgendermaßen gegliedert: 1 )
a) Str. 1, die Einleitung, enthält v. 1. 2 die Anrufung des Jungfrausohneszu dem Unternehmen des Erzählers und v. 3. 4 die Nennung des Namensdessen, von dem erzählt wird. Diese Form ist der lateinischen Preisdichtunggeläufig, unter den Gedichten der Cambridger Handschrift haben sie dieNummern II —VI (Jaffe). Der Stil der Einleitung ist der Hymnendichtungentnommen.
b) Str. 2. 3. 4 und erste Hälfte von 5. Empfang Heinrichs durch Ottound zwar: Str. 2 Botenstrophe; Str. 3 Otto erhebt sich, geht Heinrich ent-gegen; Str. 4 er gibt ihm und seinen Begleitern den Willkommgruß; Str. 5erste Hälfte, Händedruck. Eine Szene höfischer Etikette in spielmännischerDarstellung, besteht in einem auch in der mittelhochdeutschen volkstümlichenDichtung beliebten Motiv. 2 ) Dieser Teil ist episch, mit Dialog.
c) Str. 5 zweite Hälfte, 6. 7. 8. Staatsrat, Politik. Ist ein geschichtlicherBericht.
Teil a führt den Helden der Handlung ein, Teil b ist die Vorerzählungfür den Teil c, der den eigentlichen Zweck des Ganzen enthält.
Die Ausdrucksweise, die lateinische wie die deutsche, ist einfach undschmucklos. Volkstümlich sind die wiederkehrenden Formeln Otdo ther unsarkelsar gaodo 6. 9, mit mihilon eron 11.19; die Beteuerungen 25. 26. DerSatzbau ist nicht kräftig gegliedert mit starker Inhaltsfüllung, sondern dieGedanken sind durch überflüssigen Sprachstoff gedehnt. Die Auffassung isttrocken. Sie erhebt sich nirgends zu einer wärmeren Stimmung und überden politischen Geschäftston kommt der Stil nicht hinaus. Einer solchenBehandlung des Stoffes eignet nur der Sprechvortrag. Dazu paßt die Gering-wertigkeit der künstlerischen Form.
*) Vgl. Seemüller a. a. O. S. 349 f. 2 ) Kögel, LG. 2,130 f.