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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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228
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228 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Assonanzen und schwachtonigen Reimsilben ist altertümlich. Die Verse sindnicht dipodisch gebaut.

Das Ludwigslied ist das älteste uns erhaltene historische Lied und inner-halb der Reimdichtung die erste freie Schöpfung, die nicht von einer lateinischenbezw. geistlichen Grundlage ausgeht. Es ist ein Preislied, ein Hofgedichtund damit zur Kunstdichtung zu rechnen. Wir haben hier ein lehrreichesBeispiel für die Entstehungsweise eines historischen Liedes: zu einem be-stimmten Zweck und mit bewußter Absicht ist eine feststehende Tatsache durchdie Phantasie umgebildet worden, und zwar geschah diese Entwirklichung deshistorischen Faktums unmittelbar nach dem Ereignis selbst, also zu einer Zeit, dader zugrunde liegende Vorgang den Beteiligten noch ganz bekannt sein mußte.

Innerhalb der geistigen Entwicklung unseres Volkes gehört auch dasLudwigslied zu jenem großen Kulturprozeß der Durchdringung germanischenWesens mit den Ideen des Christentums.

§ 39. De Heinrico.

MSD. Nr. 18 u. II 3 , 99106; Braune, LB. Nr. 39 u. S. 195; Piper, Alt. d. Lit. S. 301 f.,Nachtr. S. 221 f.; Kelle, LG. 1,191196. 373377; KöGEL, LG. 2,126136, Grundr. 2 S. 126bis 128. Erster Druck von J. G. Eccard, Veterum monumentorum quaternio, Lipsiae 1720,S.4952 (dazu J.Grimm, D.Gramm. I.Teil, erste Ausg. 1819 S.LXu. Kl. Sehr. 8,76); W. Wacker-nagel in Hoffmanns Fundgruben 1 (1830), 340f. (unter Auflösung der Strophen in Halbzeilen);derselbe, Altdeutsches Lesebuch 1859 S. 109112; Lachmann in Köpkes Jahrbüchern desDeutschen Reichs unter Otto I. (1838) S. 97; Oskar Schade, Veterum monumentorum theo-tiscorum decas, Weimar 1860, S. 58.

Hs.: Universitätsbibliothek zu Cambridge (sog. Cambridger Li ederhand-schrift), ^enthält auf Bl. 432441 eine Sammlung lateinischer Lieder von einemSchreiber des H.Jahrh.,dessenSchriftangelsächsischeZüge enthält (bes. r und t).Unser Gedicht steht Bl. 437b und 437c. Einige Stellen sind schwer zu entziffern.

Der Zeit nach fallen die Lieder zwischen die Jahre 968 und 1039. Ab-gefaßt sind sie von verschiedenen Dichtern, die Spuren weisen für die Ent-stehung der Sammlung an den Rhein. Im ganzen sind es 47 Nummern,davon einige allerdings nicht mittelalterliche Erzeugnisse, sondern Auszügeaus klassischen Autoren. Ihr Inhalt ist verschiedenartig, es finden sich Preis-gedichte und Totenklagen auf Fürsten und Geistliche, religiöse und didaktischeGedichte, Erzählungen, Schwanke, Natur- und Stimmungslieder. Mehreredieser lateinischen Stücke gehören als Ausdruck deutschen Geisteslebensauch der deutschen Literaturgeschichte an.

Das Lied De Heinrico ist, als einziges der Sammlung außer dem Liebesantrag(unten §40), in lateinisch-deutscherMischprosa geschrieben, 2 ) in der

') Die früheste Nachricht dieser außer-ordentlich wertvollen Handschrift hat J. G. Ec-card gegeben in seiner oben genannten SchriftVet. Mon. quat. 1720; die ganze Sammlungdieser lateinischen Lieder ist zuerst abgedrucktworden von Phil. Jaffe, Z. f. d. A. 14,449495,dann von Piper, Nachträge S. 206234; dazuK. Breul, Z. f. d. A. 30,186192; R. Priebsch,

Z. f. d. A. 38, Anz. 20,207. Beschreibung derHandschrift bei R. Priebsch, Deutsche Hand-schriften in England, 1. Bd., Erlangen 1896,S. 2027.

2 ) Scherer, Leben Willirams, Wiener SB.53 (1866), 294, vergleicht damit den Schluß desags. Gedichtes vom Phoenix (Grein-Wülcker,Bibl. d. ags. Poesie 3,116).