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Teil 1 (1918) Die althochdeutsche Literatur
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226
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226 II. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.

Aufzählung eher durch die ihm als Geistlichen geläufige lateinische Formen-sprache gekommen sein.

Aus der Alliterationsdichtung tritt das Lied heraus, inhaltlich steht esvielmehr im Zusammenhang mit der gleichzeitigen lateinischen Dichtung 1 )und zwar mit dem lateinischen historischen Lied. Ganz ähnlich erscheint imAvarenlied (Sieg Pippins über die Avaren 796, Mon. Germ. Poet. lat. 1, 116)der kriegerische Stoff in geistlicher Anschauungsweise. Auch das Lied aufdie Schlacht von Fontenay (Fontanetum) gehört in diese Reihe. 2 ) Aber dasdeutsche Gedicht hat mit seinem gedrungenen Satzbau einen andern Form-typus und nur bei lebhafter Darstellung wie in der Kampfschilderung greiftdie lateinische Rhetorik zu dem Stilmittel des raschen Satztempos. Woherder einfache Erzählerstil des Ludwigsliedes also abgesehen von der Kampf-schilderung stammt, ist mit Sicherheit wohl nicht zu ergründen, weil ereben an sich die naturgemäß sich gebende, kunstlose Ausdrucksform ist, diesich bietet, wenn ein Dichter ohne Anwendung rhetorischer Mittel seinenStoff in Rhythmus und Reim zwängen muß. Dieselbe parataktische Einfach-heit haben auch das altfranzösische Leodegarlied und die altfranzösischePassion du Christ in vielen Strophen, ebenso wie das geistliche historischeLied, die lateinische vulgäre Heiligenhymne oder auch die lateinische Prosain Predigten und Legenden. Es ist die allgemeine populäre Erzählungsartder Zeit, eine Form der neuen, romanischen Periode gegenüber dem altengermanischen Epenstil, die Sprache der Reimgedichte gegenüber jener derAlliterationsdichtung, die Kunstübung des modernen, von der lateinisch-romanischen Bildung beeinflußten Spielmanns gegenüber jener des ein-heimischen Skop.

Der Verfasser des Liedes war, wie man aus der religiösen Stimmungseines Werkes schließen muß, ein Geistlicher.

Das Gedicht besteht aus zweiundzwanzig zweizeiligen Strophen in Ab-wechslung mit fünf dreizeiligen (Str. 17. 18. 19. 25. 27). Die dreizeiligenStrophen bedeuten kein besonderes Stilmittel, denn sie dienen außer derletzten Strophe, welche das ganze Lied beschließt, weder zur Gliederung desInhalts noch zur Hervorhebung hervorragend wichtiger Stoffteile. Sie dienennicht zur Gliederung des Inhalts, denn der dramatische Höhepunkt desGanzen liegt in der Schlachtschilderung, beginnt also mit v. 46 (= Str. 22),die erste Dreizeilergruppe endigt aber schon mit v. 41 (= Str. 19). Wennman überhaupt eine Zweiteilung des Gedichts vornehmen will, so würde siezwischen v. 26 und 27 zu machen sein, damit daß der König den Krieg er-öffnet durch Erheben des Feldzeichens und den Nordmannen entgegenreitet.DenGipfelpunkt des ersten Teiles" (Habermann S. 23) bildet dann nichtdie Rede Ludwigs an seine Großen, sondern viel eher seine Berufung durch

J ) Seemüller a.a.O. S.324; Fritz Jacob-sohn, Der Darstellungsstil der historischenVolkslieder des 14. u. 15. Jahrh., Diss. Berlin

1914, S. 717.

2 ) Auch das historische Präsens Her sihit45 erinnert an das Lateinische; s. MSD. II 3 ,74.