220 U. Die Literatur von der Mitte des achten bis zur Mitte des elften Jahrhunderts.
§ 38. Ludwigslied.
MSD. Nr. 11 u. II 3 , 71—78.474; Braune, LB. Nr. 36 u. S.195; Piper, Ält.d.Lit. S.257 bis261; Kelle, LG. 1,176—178.366 f.; Kögel, LG. 2,86—95, Grundr. 2 S. 120—122; Steinmeyer,Ergebnisse S. 216 f. — Erster Druck von J. Schilter, 1696, zweite Ausgabe in Schilters The-saurus Bd. 2, Ulm 1727; Hoffmann von Fallersleben fand das Gedicht auf seiner vlämischenReise 1837 in Valenciennes wieder auf (H. v. F., Mein Leben, Hannover 1868 ff., Bd. 3, 2p ff.)und es wurde von J. F. Willems veröffentlicht: Elnonensia, Monuments des langues romane ettudesque dans le IX e siecle, publies par Hoff mann de Fallersieben, Gand 1837, 2. Ausg. 1845;Wackernagel, Lesebuch 1839 ff.; J. Zacher, Z. f. d. Phil. 3, 307—313 (Abschrift von W.Arndt);Faksimile bei Enneccerus 40—43 und M. Enneccerus, Versbau und gesanglicher Vortragdes ältesten französischen Liedes. Mit den Handschriftenbildern der Eulalialieder und desLudwigsliedes, Frankfurt a. M. 1901.
Hs.: Nr. 143 der öffentlichen Bibliothek zu Valenciennes, stammt aus demKloster S. Amand sur l'Elnon, geschrieben Ende des 9. Jahrhunderts, quart,enthält libri octo Gregorii Nazanzeni epi., auf Bl. 141a die lat. Eulalialegendein Versen, 'Cantica uirginis eulalie', und Bl. 141b das altfranzösische Liedvon der heiligen Eulalia, darauf, von derselben Hand wie das vorhergehendeGedicht, bis Bl. 143 a das Ludwigslied. Der Text ist sorgfältig geschrieben,die Überlieferung fast fehlerlos. Die Zeilen sind abgesetzt, die Strophen-anfänge etwas ausgerückt, die Halbzeilen sind durch Punkte und kleineZwischenräume getrennt und beginnen mit großen Anfangsbuchstaben.
Der Dialekt des Gedichtes ist rheinfränkisch. 1 ) Konsonanten. Den-tale, germ. d ist anl. d in dugidl 5, gideilder 7, duon 25, döt 26, giduot 39,t in tr: truhtin 4. 59, tröstet 32; inl. d und t, ausl. meist t, d in god 9. 33,giböd 33 (:god), gisund 40, sklld 42, th in hinavarth 38; germ. t wirdüberall verschoben: zur Spirans, geschrieben inl. zs in helzsit 1, ausl. z inuueiz 1. 2, buoz 3, thaz 9. 19. 26. 34. 36. 51, gibnozta (Silbenauslaut) 18,iz 20. 26. 40. 44, hiez 22, uz 40, aber tz in Hetz 11; Affrikata: magaczogo 4,czala 8, uncih 35, cehanton 53; germ. th ist anl. th, inl. ausl. th (dh) d.Labiale, b bleibt, p ist zur Affrikata verschoben: hllph 23, slgikamf 56.Gutturale, g bleibt, k ist nicht zur Affrikata verschoben. Prothetisches hist gesetzt in helgun 24, hin 32. 34. 35, hin 54, hio 54. 58. In der Ver-bindung hl ist h archaistisch erhalten in dem Eigennamen Hluduig 1. 22.23. 25. 31. 50. 55. 57; diese Schreibung ist traditionell in der offiziellenKanzleiorthographie festgehalten, 2 ) wie denn auch die lateinische Über-schrift hl hat: Hluduico, Hluduici.
Besonders bemerkenswert ist das Festhalten des j bei der Konsonanten-verdoppelung: uuunniöno 8, gendiöt 9, sundiöno 12, gisellion 32, ellian,uuillion 39, kunnie 41. Das Personalpronomen der 3. Person lautet meisther, v. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 10. 11. 22. 27 (zweimal), 28. 38 (zweimal). 41. 42. 44.45 (zweimal), 52 (zweimal), 53; daß hier das h nicht prothetisch vor derhochdeutschen Form er vorgesetzt ist, sondern wirklich der Sprache an-gehört, zeigt he 40; er steht 14. 18. 42 und enklitisch gideilder 7, uuisser 21,
') Braune, LB. S. VIII; Eduard Sam- I Gymnas. in Freistadt (Österreich) 1877. 1878.haber, Das Ludwigslied, Jahresberichte des | 2 ) MSD. I 3 , Vorrede S. XVII f.